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Heute schon geforestelt? Der Stand der grüneren Suchmaschinen August 2009

Es steht außer Frage, dass Suchen im Web deutlich zu unseren CO2 Emissionen beiträgt. Durch die Nutzung des Internets, die Erstellung seiner Infrastruktur und deren kontinuierliche technische Unterstützung wird Strom verbraucht. Und während die Nutzerzahl des Internets immer weiter wächst, stehen die Chancen auf einen Rückgang der Emissionen eher schlecht.
Vielleicht sagen Euch „Forestle“, „Znout“ oder „Blackle“ etwas? Diese sind Beispiele der Generation der „Grünen Suchmaschinen“. Sei es das Pflanzen eines Baumes, das Spenden für Umweltorganisationen oder das Schwarzfärben des Bildschirms – diese Suchmaschinen lassen ihre Nutzer mit dem sauberen Gewissen Suchabfragen durchführen, dass die negativen Wirkungen ihrer Suche auf die Umwelt dabei vermindert werden.

Forestle wurde 2008 von Christian Kroll gegründet und bezeichnet sich als eine unabhängige, nicht-profitorientierte Webseite, deren Ziel es ist, mit dem durch Werbung generierten Umsatz Regenwaldflächen zu retten. Die Suchmaschine pflegt eine Partnerschaft mit Yahoo, von denen  sie ihre Suchergebnisse und Werbung auf der Seite generieren. Die Einnahmen aus dieser Werbung (90% wenn man die Administrationskosten abzieht) wird an das  „Adopt an Acre“- Programm der Partnerorganisation „The Nature Conservancy“ weiter gegeben. Die Spenden aus dem  Programm werden genutzt, um Regenwaldflächen zu erhalten . Wenn die Zahlen stimmen, dass jährlich durchschnittlich ca. 1.000 Suchabfragen pro Person ausgeführt werden und dass bei jeder Abfrage auf Forestle 0,1m² Regenwaldfläche geschützt wird, kann jeder Nutzer ungefähr 100m² Regenwald kostenlos retten, indem er bei dieser „grünen Suchmaschine“ sucht. Berichte über den Stand der Spenden werden monatlich auf der Seite veröffentlicht – und wenn man die Zahlen betrachtet, wirken sie überaus positiv. Allein im Juli wurden 371.561m² Regenwaldfläche gerettet – eine Verzehnfachung innerhalb von 6 Monaten, verglichen mit den Zahlen vom Februar..

Znout – „Zero Negative Output“ – kann „als Schwester-Suchmaschine“ von Forestle bezeichnet werden und hat eine Partnerschaft mit Google. Christian Kroll, der Erfinder von Forestle, gründete Znout zum einem Zeitpunkt, an dem  Google die ursprüngliche Partnerschaft mit Forestle gekündigt hatte. Mittlerweile existieren beide Suchmaschinen nebeneinander. Znout bietet seinen Benutzern allerdings eine „CO2-neutrale“ Suche, indem  Zertifikate für erneuerbare Energien gekauft werden, um den vom Suchen produzierten CO2-Ausstoß auszugleichen. Laut Statistik wurden bereits über 5.135.013 Watt-Stunden „grün gemacht“ – eine Verminderung des Ausstoßes um mehr als 2.568 Kilogramm CO2. Darüber hinaus haben Znout-Nutzer die Möglichkeit, ihren Bildschirm schwarz zu färben, um den Stromverbrauch um bis zu 30% zu mindern. Dies spiegelt das Konzept der in 2007 von Heap Media gegründeten Suchmaschine „Blackle“ wider.

Trotz der scheinbar wachsenden Popularität der „grünen Suche“ in Deutschland, wird das Ausmaß der ökologischen Wirkung noch in Frage gestellt. Zum einen muss jede Suchabfrage erst einmal durch  die Partnersuchmaschine berechnet werden, was mehr Energie verbraucht (ca. 60%)als eine direkte Suche bei Yahoo oder Google. Auch wenn dies durch die gegebene Aktion ausgeglichen wird, könnte man schon behaupten, dass es einen effizienteren Weg zum Umweltschutz gäbe. Das Potenzial einer weit-verbreiteten Nutzung des schwarzen Bildschirms darf bestritten werden. War es doch die einfache farbliche und graphische Gestaltung Googles, die zu seiner Monopolstellung im Bereich der Internetsuche in Deutschland geführt hat. Das unbequeme Lesen von weißem Text auf einem schwarzen Hintergrund ist wohl für viele Nutzer ein zu hoher Preis, um die Suchmaschine zu wechseln.

Allerdings existiert die Idee der „grünen Suchmaschine“ und auch Kritiker sind anscheinend der Meinung, dass eine Nutzung nicht schaden kann. Wenigstens werden die generierten Werbeumsätze für etwas Sinnvolles genutzt, was niemand beklagen kann. Es ist wie mit allen derartigen Aktionen: auch wenn die direkte Wirkung begrenzt ist, tragen sie deutlich positiv zur allgemeinen Einstellungen gegenüber dem Thema Umweltschutz bei – ein Thema, deren Wichtigkeit vor allem heute bei jeder Gelegenheit hervorgehoben werden sollte.

Harvard Wissenschaftler behauptet: “Google ist ein Umweltverschmutzer!”

Google – unangefochtener Marktführer unter den Suchmaschinen, beliebtester Arbeitgeber in den USA und innovatives Vorzeigeunternehmen. Geht es nach Dr. Alex Wissner-Gross, Harvard-Physiker und Gründer von Co2Stats (www.CO2Stats.com – „neutralisiert“ den CO2-Ausstoß von Webseiten durch den Ankauf von Emissionszertifikaten), ist Google von seiner Vorreiterrolle aber stark entfernt. Im Gegenteil, schenkt man den Aussagen von Wissner-Gross Folge, ist Google für einen großen Teil des weltweiten Kohlendioxidausstoßes verantwortlich und trägt damit wesentlich zur Zerstörung der Umwelt bei. Zwei Suchanfragen bei Google setzen demnach eine Kohlendioxidmenge von 7 Gramm frei. Dies ist die gleiche Menge an Kohlendioxid, die für einen Einsatz eines Wasserkochers benötigt wird. Google kann demnach sogar als rückständig bezeichnet werden.

Google Emblem

Google Emblem

Zugrunde liegt dieser Rechnung die von Alex Wissner-Gross gewonnene Erkenntnis, dass 7 Gramm Kohlendioxid ausgestoßen werden, damit eine Suchanfrage bei Google verarbeitet werden kann. Für den Aufruf einer gewöhnlichen Webseite muss aufgrund von Energieverbrauch durch den Server, das Netzwerk und des Heimcomputers durchschnittlich immerhin noch eine Menge von 0,02 Gramm Kohlendioxid in die Atmosphäre geschleudert werden. Enthält die Webseite noch multimediale Elemente wie Videos oder Bildes, so steigt der Ausstoß auf rund 0,2 Gramm Kohlendioxid pro Seitenaufruf. Zu erklären ist die große Differenz zu Google durch das gewaltige Netz aus Serverfarmen, die der Suchmaschinenbetreiber über den ganzen Globus verteilt hat. Um dem Nutzer die schnellstmögliche Antwort auf seine Suchanfrage zu geben, konkurrieren die Serverfarmen laut Wissner-Gross untereinander und produzieren so zusätzlichen CO2-Ausstoß durch einen höheren Energiebedarf. Die berechtigte Nachfrage lautet also: Operiert Google auf Kosten der Umwelt? Ist Google schlichtweg ein Umweltsünder, der dem Planet Erde mehr und mehr schadet?

Generell ist es schwer, eine Öko-Gesamt-Bilanz für das Internet zu erstellen. Während die Berechnung des Energieverbrauches, und damit des CO2-Ausstoßes einzelner Nutzungsvorgänge noch relativ exakt möglich ist, erscheint es schon als unrealistisch, die durch das Internet eingesparte Energie präzise festzulegen. Denn wie bestimmt man die Energie, die dank einer Video-Konferenz über das Internet nicht für den Start eines Flugzeuges benötigt wird? Welche Umweltkosten würden alternative Kommunikationsmittel eigentlich erzeugen? Je mehr solcher Faktoren in die Bilanz einfließen oder abgeschätzt werden müssen, desto unsicherer wird das Ergebnis.

Was Google angeht: Zur Verteidigung hat Google im offiziellen Google Blog den CO2-Ausstoß von Suchanfragen mit täglichen Aktivitäten verglichen. So ermittelten Google-Mitarbeiter, dass eine durchschnittliche, auf Recyclingpapier gedruckte Zeitung 850 Google Suchanfragen gleicht. Die Produktion eines Cheeseburger hingegen ist mit 15.000 Suchanfragen bei Google gleichzusetzen. Glaubt man diesen Zahlen von Google, ist Google eher ein Unternehmen wie jedes andere auch. Die Suchmaschine Google als Umweltsünder oder besonderen Umweltzerstörer einzuordnen erscheint in diesem Zusammenhang vielmehr als zweifelhafte und maßlose Übertreibung.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass bei der Beurteilung von Googles CO2-Ausstoß auch immer die Energie-Einsparungen aus alternativen Informationswegen berücksichtigt werden müssen. Zudem ist eine objektive Analyse der Umweltbelastungen des Internets kaum durchführbar. Wer sollte diese durchführen? Welchen Werten und Aussagen sollte man Glauben schenken? Das bleibt dem Verbraucher überlassen. Letztendlich regiert wieder einmal das Prinzip Hoffnung. Hoffnung auf energieeffizientere Server, Rechner und Notebooks, damit die Umwelt nachhaltig geschützt wird.