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Ein Dorf an der Spree – neben der U-bahn

Spießbürgertum, Landwirtschaft, Alter, schlechte Anbindung, wenige Arbeitsplätze. Das sind negative und häufige Assoziationen zu Dörfern. Romantiker bringen die kleinen Orte mit Gesundheit, Ruhe, Landwirtschaft, Natur und Zusammengehörigkeit in Verbindung und der Farbe Grün. Berlin hingegen repräsentiert die deutsche Internetszene, ein weltbekanntes Nachtleben, viel Dreck und Lärm. Außerdem gilt die Metropole als absolute Kulturhauptstadt mit einer einmaligen Geschichte, zieht Millionen von Touristen an. Grünes Gedankengut? Ja, das gibt es hier! Grüne Flecken eher weniger. Wieso also dieser Vergleich?

 

Das Konzept

Wo einst der alternative Technoclub, die Bar25, am Spreeufer seinen Platz hatte, entsteht zurzeit ein Dorf – der Holzmarkt.

Hier wollen aber nicht einige Berliner Mittelalter spielen und die Zukunft ignorieren, der Holzmarkt ist ein Millionenprojekt – nur keines der klassischen Art. Ein Hotel, ein Club, ein Technologie- und Startupzentrum sowie ein Kindergarten finden hier neben einem Studentenheim, bezahlbaren Mietwohnungen und etwa 2000qm Landwirtschaft Platz. Im Dorf wird es Geschäfte, Bars und Cafés geben, sogar ein nächtliches Kinderhotel ist geplant, wenn die Eltern mal das Tanzbein schwingen wollen. Der Mörchenpark bietet Platz zum verweilen und einen grünen Rückzugsort inmitten der Großstadt. Anstelle von internationalen Bauherren entscheiden hier die Genossen über die Gestaltung des Holzmarktes.

 

Die Architektur 

Hallen und Hütten sind der architektonische Grundgedanke des Holzmarktes. Neben dem Hotel/Restaurant und dem Eckwerk/Technologiezentrum wird es zwei große Hallen geben, die nach und nach um Hütten erweitert werden. Die Hütten werden neue Stockwerke bilden und im bereits bekannten Stil der Bar25 sowie dem Geschmack ihrer Pächter gestaltet werden. Immer mit dem dörflichen Fassadenanspruch im Hinterkopf! Dafür wird kein Gedanke mehr an die, an dieser Stelle geplanten Mediaspree verschwendet werden.

 

Bauernhof 2.0 

Die Dächer sind, wie auch an anderen Orten an denen Urban Farming betrieben wird, die grüne Seele des Holzmarkts. Mit dem Acquaponic werden hier nicht nur Pflanzen bewässert und gezüchtet sondern auch Fische. Das Konstrukt ergibt einen Kreislauf, so dass die Fische von den Pflanzenabfällen ernährt werden und die diversen Gemüsesträucher und Kräuter wiederum gedüngt werden durch die Ausscheidungen der Fische.

Die hier wachsenden Lebensmittel und der Fisch werden im Hofladen verkauft, im Restaurant verwendet und von den Bewohnern konsumiert. Einer der vielen nachhaltigen und fortschrittlichen Gedanken des Holzmarktes. Ressourcen werden gespart, neue Arbeitsplätze geschaffen. Bis zu 800 Stück sollen es auf dem Holzmarkt werden.

 

Die Menschen

Künstler, Handwerker, Programmierer, Sänger, Touristen, Berliner, alt und jung sollen hier ihren Platz finden. Hier wird neu gebaut, weiter gedacht. Nachhaltig und zukunftsorierntiert. Unternehmertum wird groß geschrieben, Fortschritt und Technlogie auch. Dennoch entsteht hier ein Dorf, dass der Gentrifizierung entgegen wirken soll, dass Freiraum für Individualität und Kreativität lässt – ein grünes fortschrittliches Dorf, direkt an der Spree.

 

Was wird passieren?

Es bleibt zu hoffen, dass nicht nur der Gedanken besteht sondern auch die Umsetzung funktionieren wird. Bisher sehen die Chancen  sehr gut aus, der erste Spatenstich ist getan. Und wer hätte jemals gedacht, dass aus einem kleinen, unkommerziellen Technoclub, ein ganzes Dorf entsteht, dessen Herzstück keine Disko ist sondern der Gedanke an ein faires, nachhaltiges Berlin, an dem jeder seinen Platz hat – vom Investor bist zum Raver!

Ab Frühjahr 2014 wird der Holzmarkt endgültig eröffnet und Tag für Tag erweitert werden, wer sich vorher schon informieren will, über das Konzept, die Genossenschaft und Veranstaltungen in diesem Jahr, der kann das unter diesen  Links tun:

http://www.holzmarkt.com

http://www.eckwerk.com

http://www.moerchenpark.de

 

Urban Farming – mehr als das Gemüsebeet 2.0

Berlin – obwohl die Mauer schon lange gefallen ist, scheint die Stadt noch immer geteilt. Grüne Start-ups  könnten zum Helmut Kohl von heute werden und eine mentale Mauer einreißen.

Junge Unternehmer

Berlin boomt, alles wächst – die Bewohner, Ideen, Neubauten, das weltweite Ansehen. Die Stadt erlebt einen scheinbar nicht zu bremsenden Höhenflug, wird oft als das neue Silly Con Valley Europas bezeichnet. Hier tobt die Start up-Szene, täglich schießen neue Firmen aus dem Boden der ehemals in Ost und West geteilten Stadt.

Begriffe wie CEO, Pitch, Inkubator, Investments, Crowd Funding, Exit, eCommerce,  und Co sind nur einige der meist englischen Begriffe, die die internationale Szene aus  jungen Gründern dominieren. Die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung, die schon vor dem Mauerfall Neuberliner angezogen hat, ist auch einer der Gründe was sie hier her treibt. Anders als früher, wird die Selbstverwirklichung hier geleitet oder begleitet von neuen Zielen und diese heißen oft:  Gewinn, Bekanntheit, Wachstum.

Das alternative Herz

Das kommt  nicht durchweg  gut an in der Spreemetropole. Das alternative Herz der Stadt, das seit Jahrzehnten einen riesigen Teil ihres Charmes ausmacht, das gibt es noch immer. Und das besteht meist aus wahren Aktivisten für die, die Worte Konsum und Kapital fast eine Provokation sind: Sie wollen Berlin vor der Gentrifizierung retten, stehen für Gleichberechtigung von Homosexuellen und Frauen – und tragen fast immer eine grüne Seele in sich.

Zu sehen ist das an Projekten, wie zum Beispiel dem Prinzessinnengarten in Kreuzberg, wo inmitten in der Großstadt ökologisch wertvolles Gemüse angebaut wird. Die vielen Bioläden und –restaurants, die fast genauso oft aus dem Boden schießen wie ein neues Start up oder eine starke Fraktion von Bündnis 90/die Grünen im Parlament. Projekte wie der Prinzessinnengarten, stehen oft vor dem aus. Entweder weil sie nicht rentabel sind oder weil ihnen der Platz für ihre Existenz von Investoren strittig gemacht wird. Soziales Denken wird bei den alternativen Alt-Berlinern groß geschrieben, Gewinnmaximierung eher klein.

Urban Farming – Efficent City Farming

Selbstverwirklichung, das treibt beide Lager an, aber die Ziele könnten oft unterschiedlicher nicht sein. Inzwischen entstehen  immer mehr Firmen und Start ups, die an einer nachhaltigen Welt arbeiten möchten. Eines davon ist ECF – Efficent City Farming.

Urban Farming, professionell aufgezogen, ist der Kern des jungen Unternehmens und  ein Thema, das Brücken bauen könnte, denn hier dürfen sich wirklich ALLE Berliner freuen.Wenn es nach Christian Echternacht, Karoline von Böckel und Nicolas Leschke von ECF geht, dann werden schon bald ausrangierte Seekontainer in Berlin für frisches Obst und Gemüse sowie  Fisch sorgen und dabei Ressourcen sparen und die Umwelt schonen.

Für jeden verständlich und in einem Satz zusammengefasst bedeutet das: Solarenergie ist der Kraftgeber der Container Farm, die Fische werden vegetarisch von dem Pflanzenabfall ernährt und das gefilterte Fischwasser düngt wiederum Tomaten, Basilikum und Kartoffeln.

Ein effizienter, zukunftsorientierter Ansatz, an dem das Team seit 2011 arbeitet und der in der Realität bestehen kann – das zeigt die City Farm in der Berliner Malzfabrik. Auch auf dem geplanten Holzmarkt in Berlin werden ab 2014 die Bauarbeiten für 2000qm Urban farming beginnen.

Die offizielle Partnerschaft im Wissenschaftsjahr 2012 “Zukunftsprojekt Erde” mit dem Bundesministeriums für Bildung und Forschung demonstriert, wie ernst dieser Ansatz zu nehmen ist und warum ECF eine Start up-Förderung durch Climate-KIC Deutschland erhalten hat.

In Zukunft

Plötzlich kommen sich zwei Lager näher, die (zugezogenen) Jungunternehmer, die Geld verdienen wollen, Arbeitsplätze schaffen, viel Zeit vor dem Rechner verbringen und ihre Ideen durch Kapitalgeber verwirklichen möchten. Sie treffen den Nerv der alternativen Berliner, die ihre Stadt und die Umwelt retten möchten. Die ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit, lokale Förderung und Ressourcensicherung  haben und sich am Ende nicht daran stören werden, wenn damit auch Geld verdient werden kann. Urban Farming ist definitiv ein interessanter, zukunftsorientierter Ansatz für bewusstes Leben in Metropolen.

Und vielleicht sind  ECF und andere grüne Start ups auch eine Chance dazu, eine mentale Mauer, zwischen den charakteristischen Berliner Fronten einzureißen oder diese zumindest zum Wackeln bringen.Eventuell gibt es schon bald in Berlin Mitte ein ungewöhnliches Treffen – auf einer schicken Start up-Terasse, bei der auf eine  urbane Biobrasse mit einer Mate angestoßen wird und ein Alt-68er vorbei kommt.  Nicht nur um zu probieren, sondern auch um eigene Düngertipps da zu lassen.

 

Interessante Links:

http://www.ecf-center.de/

http://urbanfarmers.com/projects/berlin/

http://www.malzfabrik.de/en/aktuelles/uebersicht?id=132

http://prinzessinnengarten.net/