Urban Farming – mehr als das Gemüsebeet 2.0

Berlin – obwohl die Mauer schon lange gefallen ist, scheint die Stadt noch immer geteilt. Grüne Start-ups  könnten zum Helmut Kohl von heute werden und eine mentale Mauer einreißen.

Junge Unternehmer

Berlin boomt, alles wächst – die Bewohner, Ideen, Neubauten, das weltweite Ansehen. Die Stadt erlebt einen scheinbar nicht zu bremsenden Höhenflug, wird oft als das neue Silly Con Valley Europas bezeichnet. Hier tobt die Start up-Szene, täglich schießen neue Firmen aus dem Boden der ehemals in Ost und West geteilten Stadt.

Begriffe wie CEO, Pitch, Inkubator, Investments, Crowd Funding, Exit, eCommerce,  und Co sind nur einige der meist englischen Begriffe, die die internationale Szene aus  jungen Gründern dominieren. Die Möglichkeit zur Selbstverwirklichung, die schon vor dem Mauerfall Neuberliner angezogen hat, ist auch einer der Gründe was sie hier her treibt. Anders als früher, wird die Selbstverwirklichung hier geleitet oder begleitet von neuen Zielen und diese heißen oft:  Gewinn, Bekanntheit, Wachstum.

Das alternative Herz

Das kommt  nicht durchweg  gut an in der Spreemetropole. Das alternative Herz der Stadt, das seit Jahrzehnten einen riesigen Teil ihres Charmes ausmacht, das gibt es noch immer. Und das besteht meist aus wahren Aktivisten für die, die Worte Konsum und Kapital fast eine Provokation sind: Sie wollen Berlin vor der Gentrifizierung retten, stehen für Gleichberechtigung von Homosexuellen und Frauen – und tragen fast immer eine grüne Seele in sich.

Zu sehen ist das an Projekten, wie zum Beispiel dem Prinzessinnengarten in Kreuzberg, wo inmitten in der Großstadt ökologisch wertvolles Gemüse angebaut wird. Die vielen Bioläden und –restaurants, die fast genauso oft aus dem Boden schießen wie ein neues Start up oder eine starke Fraktion von Bündnis 90/die Grünen im Parlament. Projekte wie der Prinzessinnengarten, stehen oft vor dem aus. Entweder weil sie nicht rentabel sind oder weil ihnen der Platz für ihre Existenz von Investoren strittig gemacht wird. Soziales Denken wird bei den alternativen Alt-Berlinern groß geschrieben, Gewinnmaximierung eher klein.

Urban Farming – Efficent City Farming

Selbstverwirklichung, das treibt beide Lager an, aber die Ziele könnten oft unterschiedlicher nicht sein. Inzwischen entstehen  immer mehr Firmen und Start ups, die an einer nachhaltigen Welt arbeiten möchten. Eines davon ist ECF – Efficent City Farming.

Urban Farming, professionell aufgezogen, ist der Kern des jungen Unternehmens und  ein Thema, das Brücken bauen könnte, denn hier dürfen sich wirklich ALLE Berliner freuen.Wenn es nach Christian Echternacht, Karoline von Böckel und Nicolas Leschke von ECF geht, dann werden schon bald ausrangierte Seekontainer in Berlin für frisches Obst und Gemüse sowie  Fisch sorgen und dabei Ressourcen sparen und die Umwelt schonen.

Für jeden verständlich und in einem Satz zusammengefasst bedeutet das: Solarenergie ist der Kraftgeber der Container Farm, die Fische werden vegetarisch von dem Pflanzenabfall ernährt und das gefilterte Fischwasser düngt wiederum Tomaten, Basilikum und Kartoffeln.

Ein effizienter, zukunftsorientierter Ansatz, an dem das Team seit 2011 arbeitet und der in der Realität bestehen kann – das zeigt die City Farm in der Berliner Malzfabrik. Auch auf dem geplanten Holzmarkt in Berlin werden ab 2014 die Bauarbeiten für 2000qm Urban farming beginnen.

Die offizielle Partnerschaft im Wissenschaftsjahr 2012 “Zukunftsprojekt Erde” mit dem Bundesministeriums für Bildung und Forschung demonstriert, wie ernst dieser Ansatz zu nehmen ist und warum ECF eine Start up-Förderung durch Climate-KIC Deutschland erhalten hat.

In Zukunft

Plötzlich kommen sich zwei Lager näher, die (zugezogenen) Jungunternehmer, die Geld verdienen wollen, Arbeitsplätze schaffen, viel Zeit vor dem Rechner verbringen und ihre Ideen durch Kapitalgeber verwirklichen möchten. Sie treffen den Nerv der alternativen Berliner, die ihre Stadt und die Umwelt retten möchten. Die ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit, lokale Förderung und Ressourcensicherung  haben und sich am Ende nicht daran stören werden, wenn damit auch Geld verdient werden kann. Urban Farming ist definitiv ein interessanter, zukunftsorientierter Ansatz für bewusstes Leben in Metropolen.

Und vielleicht sind  ECF und andere grüne Start ups auch eine Chance dazu, eine mentale Mauer, zwischen den charakteristischen Berliner Fronten einzureißen oder diese zumindest zum Wackeln bringen.Eventuell gibt es schon bald in Berlin Mitte ein ungewöhnliches Treffen – auf einer schicken Start up-Terasse, bei der auf eine  urbane Biobrasse mit einer Mate angestoßen wird und ein Alt-68er vorbei kommt.  Nicht nur um zu probieren, sondern auch um eigene Düngertipps da zu lassen.

 

Interessante Links:

http://www.ecf-center.de/

http://urbanfarmers.com/projects/berlin/

http://www.malzfabrik.de/en/aktuelles/uebersicht?id=132

http://prinzessinnengarten.net/

 

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