Das Fitnessstudio der Zukunft als Stromkraftwerk?

Fitness-Center dominieren seit jeher das alltägliche Leben in unserer Gesellschaft. Laut einer Deloitte-Analyse vom 31.12.2010 ist „Fitness“ vor Fußball und Turnen mit 7,31 Millionen Mitgliedern die mitgliederstärkste Sportart in ganz Deutschland. Das heisst, jeder elfte Deutsche ist Mitglied! In Reih und Glied angeordnet, jeweils auf gefühlt 1qm, trampeln, zappeln und strampeln wir uns ab, um das eigene Kraft- und Ausdauervermögen zu stärken. Wenn so viele Menschen jeden Tag dieser mehr oder weniger langweiligen Tätigkeit nachgehen, stellt sich doch wirklich die Frage, ob es nicht möglich ist, diese produzierte Energie sinnvoll einzusetzen.

Warum nicht die aufgewendete Muskelkraft zum Zwecke der Stromerzeugung nutzen?

Die ständige Repetition von monotonen Bewegungsabläufen verbunden mit Kraftaufwand auf Fahrrädern, Crosstrainern, Rudergeräten oder anderen Konstruktionen könnte doch dafür wie geschaffen sein. Wenn man an bestimmte Fitnessgeräte einen Generator bzw. Dynamo anschließen würde, der die Muskelkraft in elektrische Energie umwandelt? Wäre es möglich, dass dieser erzeugte Strom anschließend ins Stromnetz eingespeist wird?

Diesen simplen Gedanken griff der Betreiber des Berliner Fitnessstudios greengymberlin als erstes in Europa auf. So macht er seit Oktober 2009 die elektrische Energie der Fahrräder und Crosstrainer in seinem Center nutzbar. Der fortschrittliche Gedanke, eine Fitnessübung zum Zwecke der Stromerzeugung zu nutzen, ist also nicht mehr nur eine Traumvorstellung sondern bereits Realität. Jedoch ist es verwunderlich, dass diese Technik nicht in viel mehr Fitnessstudios bzw. Fitnessgeräten eingesetzt wird.

greengym Fitnessclub Berlin

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Vermutlich liegt dies darin begründet, dass die Relation von Einsatz und Output bei der Stromquelle Fitnessgeräte gegenüber den bisherigen Energielieferanten wohl schlechter ist. Fossile als auch regenerative Energiequellen sind effizienter, leistungsträchtiger und möglicherweise auch nachhaltiger gegenüber den instabilen und unregelmäßig genutzten Sportgeräten. Strombringende Crosstrainer gelten zwar als äußerst innovativ, aber gleichzeitig nicht als besonders lohnenswert.

Besonders eindrucksvoll illustriert dies ein Experiment der WDR-Sendung „Kopfball“. Hier versuchten Radfahrer mit Hilfe ihrer stromerzeugenden Fahrräder den Strombedarf eines Haushaltes zu decken. Fazit des TV-Beitrags war, dass beachtliche acht Radfahrer benötigt wurden, um den Strombedarf einer einzigen Mikrowelle zu decken. Darüberhinaus erstaunliche 25 Radler eine Spülmaschine und 35 eine Waschmaschine versorgen können. Dieser Versuch beweist demnach, dass menschliche Muskelraft in Bezug auf Stromproduktion nur wenig bezwecken kann.

Nichtsdestotrotz schafft ein Fitnesscenter mit Fitnessgeräten zur Stromproduktion auch Nutzen in anderen Bereichen. So kann die innovative Idee zum gesellschaftlichen Bewusstseinswandel anregen. Dahingehend, dass der Konsument durch den Fitnessstudiobesuch Gedanken zu seinem persönlichen Stromkonsum macht. Sich zudem überlegt, aus welchen Quellen er privat seinen Strom bezieht.

Auch den Anreiz als auch die Motivation Sport zu treiben, kann ein solch modernes Studio mit sich bringen. Für Sportunbegeisterte könnte das Training durch den positiven Nebeneffekt, Strom zu produzieren, „erträglicher“ werden. Dies könnte also die Begeisterungsfähigkeit durch den Sport für den Sport fördern.

Wie sollte diese Art von Stromerzeugung ausgestaltet werden, dass sie diese höheren Ziele verfolgen kann?

Eine Möglichkeit wäre, auf dem Display des Sportgeräts Vergleiche darzustellen, welches Haushaltsgerät sich mit der bisher produzierten Menge Strom betreiben ließe. Z.B. nach 20 Min strampeln wäre die Menge des morgendlichen Haarföhnens hereingeholt. Aber nervt das die Menschen mehr als dass es die Denkweise ändert?

Die naheliegende Idee, aus aufgewendeter Muskelkraft, Strom zu produzieren scheint auf den ersten Blick sehr vielversprechend. Bei näherer Betrachtung fällt aber erst auf, dass die Idee technisch im Moment mehr verspricht als sie halten kann.

Wenn man höhere Ziele, wie z.B. den Bewusstseinswandel der Menschen, langfristig verfolgen möchte, und gleichzeitig an der technischen Umsetzung arbeitet, macht eine Verwirklichung im Moment Sinn. Um die Idee allerdings rein aus dem Blickwinkel der möglichst effizienten Stromproduktion betrachtet flächendeckend zu verwirklichen, hat sie momentan nur bedingt Erfolg.

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