Künstliche Bäume – die ultimative Lösung des Klimawandels?

Die Erderwärmung hat schwerwiegende Folgen und extreme Auswirkungen, mit denen wir in Zukunft zu rechnen haben. Eine ganze Reihe von Aktivitäten zielen auf die Reduzierung von CO2 Emissionen ab bzw. beschäftigen sich mit Möglichkeiten wie das Kohlenstoffdioxid aus der Luft gefiltert werden kann. Es gibt neben den „konventionellen Methoden“, wie die Forschung und Nutzung erneuerbarer Energien, eine Reihe von außergewöhnlichen Projekten im Bereich des sogenannten Geo-Engineering. Diese beschäftigen sich mit der Reduktion des Treibhauseffekts und bieten Lösungsmöglichkeiten an. Die meisten Ideen wirken etwas ‘exotisch’. Doch in der verzweifelten Situation in der unsere Erde und wir Menschen zweifelsohne stecken, sollten auch unkonventionelle Gedanken verfolgt werden.

Einer dieser potentiellen Lösungsansätze des Geo-Engineering ist die Idee künstlicher Bäume, die Kohlendioxid binden. Künstliche Bäume sind große, fächerförmig aufgespannte Membranen die mit CO2-bindenden Materialien beschichtet werden und nahezu überall aufgestellt werden könnten. Laut dem Institute for Mechanical Engineering wären wohl mit dem heutigen Stand der Technik weit über 30 Millionen solcher künstlichen Bäume notwendig, um die ca. 33 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid, die jährlich durch menschliches Verschulden freigesetzt werden, aufzunehmen. Dies dürfte – mal abgesehen von den immensen Kosten – doch angesichts der akuten Gefahren für unsere Umwelt niemanden groß stören. Selbst die griesgrämigsten ‘Zukunft-der-Umwelt-egal–-Hauptsache-mein-Blick-darauf-bleibt-frei’- Verfechter gegen Windräder sind mittlerweile verstummt. Und wer die Teletubbies- Windradlandschaft gedanklich auszublenden vermag, sollte doch einem Bild wie diesem hier sogar etwas Schönes oder zumindest Positives abgewinnen können:

Der vom Menschen erzeugte CO2-Überschuss wird zwar durch natürliche Prozesse wieder aus der Atmosphäre entfernt, doch das dauert Jahrhunderte. Die künstlichen Bäume fungieren als „CO2-Fänger“, die das Gas mittels unterschiedlicher chemischer und physikalischer Methoden in großem Maßstab aus der Luft filtern sollen. Die Methode wird federführend von Physikprofessor Klaus Lackner propagiert, der am „Earth Institute“ der Columbia University in New York forscht. An der technischen Umsetzung arbeitet die Firma Global Research Technologies aus Tucson (Arizona, USA). In den „Bäumen“ soll die Luft über Kalkwasser geleitet werden, welches das CO2 löst und als Abfallprodukt Kalkstein hinterlässt. Im Anschluss wird das Gas hieraus wieder entfernt und kann z.B. unterirdisch in stillgelegten Bergbaustollen gelagert werden. Der Prozess ist ein geschlossener Kreislauf, wobei lediglich das freigesetzte CO2, zum Beispiel über Pipelines, abtransportiert werden muss. Ich bin weder Chemiker noch Ingenieur, deshalb sei es mal bei dieser extrem vereinfachten Darstellung belassen – das Verfahren nennt sich jedenfalls CCS (Carbon Capture and Storage).

Auch an anderen Standorten, an denen sie wenig stören, zum Beispiel auch im Meer oder in der Wüste, könnten die „Bäume“ auf der ganzen Welt aufgestellt werden. Angeblich sollen diese überdimensionalen Tennisschläger bis zu 95% der CO2 Emissionen aus der Luft filtern können.

Und was kostet der Spaß? Ein künstlicher Baum soll ca. 14.000 Euro kosten und könnte zehn Tonnen CO2 pro Tag absorbieren (Ein natürlicher Baum im Vergleich bindet nur 60 bis 100 Gramm pro Tag). Runter gerechnet auf jede abgeschiedene Tonne CO2 soll der Preis bei ca. 20 Euro (bzw. laut mancher Forscher doch über 70 Euro) liegen. Das bedeutet, dass in den USA 1 Liter Benzin ca. 5 Cent teurer werden würde – bei den ohnehin deutlich niedrigeren Benzinpreisen in den USA wohl absolut machbar; aber auch hierzulande sollte uns der Schutz der Umwelt das Wert sein. Die ersten künstlichen Wälder könnten ab 2015 installiert werden. An Autobahnen zum Beispiel, könnten die Bäume sogar als Werbeflächen genutzt und sich somit teilweise selbst finanzieren.

Bis hierhin alles rosig – oder besser gesagt schön grün. Und warum macht man das nicht einfach? Wie die meisten Dinge ist es auch hier einfacher gesagt als getan. Die Methode ist laut Experten technisch machbar. In den USA hat sich bereits eine Gruppe philantropischer potenzieller Finanziers gefunden. Die „CO2-Fänger“ können gegebenenfalls sogar in den globalen Emissionshandel einbezogen werden, der sich für die kommenden Jahre abzeichnet. Was aber über Erfolg und Mißerfolg des Projekts entscheidet, ist die Wirtschaftlichkeit, denn die Arbeit eines „Baumes“ verbraucht viel Energie und wenn diese den Nutzen übersteigt, ist das Projekt sinnlos. Die zur CO2-Abscheidung nötige Energie könnten zwar eventuell Windkrafträder liefern, die in unmittelbarer Nähe zu den künstlichen Bäumen stehen, aber auch hier ist bei dem aktuellen Stand der Technik fraglich, ob dies langfristig und konstant ausreichend ist. Auch gibt es bisher mit CCS-Kohlekraftwerken eine deutlich kostengünstigere Alternative, bei der eine Tonne gesammeltes CO2 nur ca. 15-20 Euro kosten soll. Darüber hinaus ist das Unterfangen eine gigantische Aufgabe; denn um die erforderlichen Mengen Treibhausgas aus der Luft zu sammeln, muss jeder Quadratmeter Atmosphäre einmal an einem künstlichen Baum vorbei gekommen sein. Es muss sich also die Erdatmosphäre einmal gesamt umwälzen; wobei wir hier von einer Masse von fünf Billiarden Tonnen reden. Ich habe das Gefühl, ein bisschen Wind reicht da nicht und der Prozess wird lange Zeit in Anspruch nehmen.

Geo-Engineering allgemein wird zudem heiß diskutiert; stellt es doch nichts anderes als einen erheblichen menschlichen Eingriff in den Energiehaushalt der Atmosphäre dar. Wir alle wissen, dass menschliche Eingriffe häufig nichts gutes bewirkten und teilweise zu den heutigen Problemen beigetragen oder diese sogar verursacht haben. Viele Zusammenhänge versteht der Mensch, der sich seit jeher selbst überschätzt, nicht und es ist unmöglich alle Konsequenzen vorauszusagen. Gleichzeitig darf es nicht dazu kommen, dass Geo-Engineering als Freifahrtschein zur Einstellung anderer Lösungsansätze mißbraucht wird.

Bei allen Faktoren die abgewogen werden müssen und sicherlich noch einer Menge Arbeit bis zur Perfektionierung der Methode bedürfen, können künstliche Bäume mindestens ein Baustein in der Gesamtstrategie der Klimaschutzmaßnahmen sein. Vermutlich wird die CCS-Technologie häufig im Kostenvergleich zur Vermeidung von CO2 Emissionen günstiger sein. Zudem hat die Baum-Methode gegenüber entsprechenden Kohlekraftwerken den Vorteil, dass frühere Emissionen nachträglich kompensiert werden können. Hört sich für mich, bei der Ewigkeit die die internationalen Politik bereits für kleine Entscheidungen braucht, durchaus sinnvoll an.

Nichtsdestotrotz sollte niemand denken, dass wir uns zurück lehnen können. Geo- Engineering wird vornehmlich als Möglichkeit gesehen Zeit zu gewinnen, um die Erderwärmung tiefer zu erforschen und langfristig Probleme zu lösen. Wir werden um die große Aufgabe die CO2 Emissionen drastisch zu senken nicht herumkommen.

2 Responses to “Künstliche Bäume – die ultimative Lösung des Klimawandels?”


  1. 1 Oskar Storz

    Technische Lösungen haben ihren Reiz – immer jedoch auch sehr hohe Kosten. Die werden in diesem Artikel nicht erwähnt: Die Gesamtkosten pro eingefangener Tonne CO2 sollen bei 100 Dollar liegen – gegenüber aktuell ca. 10 Dollar CO2-Handelspreis.

    Weitaus effektiver und sofort verfügbar ist der Regenwald.
    Diesen zu erhalten und gerodetete Flächen wieder aufzuforsten ist viel preiswerter und zudem sofort verfügbar.
    Auf den aufgeforsteten Flächen kann man FSC-zertifizierte Hölze produzieren, so dass weniger Nachfrage nach Holz aus Regenwaldabholzung besteht.

    Der Chef des UN-Umweltprogramms (UNEP), hat unlängst gefordert, mehr Geld in die CO2-Speicherung in Wald und Boden zu investieren. Damit könne die Erderwärmung besonders wirksam bekämpft werden.
    Anstatt das Kohlendioxid aus Kohlekraftwerken mit viel Geld in den Boden zu versenken, sollten die Staaten lieber in die Natur investieren, die riesige Mengen CO2 speichern könne.

    Ich empfehle:
    1) Entweder eine steuerlich abzugsfähige Spende an “Rettet den Regenwald” http://www.regenwald.org
    oder aber
    2) einen “BaumSparvertrag”. Dabei wird für 30 Euro monatlich jeweils ein Tropenbaum wieder aufgeforstet und FSC-zertifiziert 25 Jahre gepflegt. Dadurch werden die Regenwälder geschont, CO2 jahrzehntelang gebunden und artenreiche Mischwälder neu geschaffen.
    Zudem gibt es ca. 5 bis 9 Prozent steuerfreie Rendite:
    http://www.baumsparvertrag.de

  2. 2 Ingo

    Schade, leider fehlen im Artikel die durchaus berechtigten Bedenken zu CCS, die man schon im Wikipedia-Artikel detailliert nachlesen kann.

    @Oskar: Danke für den Hinweis – warum nicht einfach mal mit vorhandenen voll organischen, selbstregulierten und Biodiversität erhaltenden Wälder anfangen?

    Mir scheint es viel effizienter zu sein,

    1.) den Regenwald zu schützen (warum passiert das nicht – fehlt hier das Business-Modell?!)

    2.) viele neue Bäume zu Pflanzen (z.B. gleich loslegen mit http://www.wikiwoods.org ) und Holz nicht in erster Linie zu verbrennen, sondern zu verbauen und so CO2 Speicher aufzubauen.

  1. 1 News-Überblick KW43 - Grünsparen statt schwarzärgern!

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