Anacondas nützlicher als allgemein bekannt!

Normalerweise kennt man sie als Schreckgespenst des Amazonas, als Hauptdarsteller schlechter Hollywood-Filme oder aber aus Träumen, aus denen man schweißgebadet aufwacht. Das ausgerechnet Anacondas nun Gutes für die Menschheit tun, überrascht doch stark.

Genauer gesagt dient das Reptil seit Kurzem als Model für ein Energieprojekt mit Zukunft. Es zielt darauf, Wellenenergie des Meeres in elektrische Energie umzuwandeln, und ist somit ein potentieller Kandidat, langfristig die Generation regenerativer Energien um ein ein weiteres Puzzleteil zu ergänzen. Die Funktionsweise ähnelt den Bewegungen der Anaconda in Gewässern. An einer Stange, die im Meeresboden verankert wird, schwimmt eine Art Schlauch oder Gummiröhre frei im Wasser. Das andere, Wellen-abgewandte Ende enthält eine Turbine. Der „Anaconda-Generator“ ist mit Wasser gefüllt und reagiert auf die Wellenbewegungen. Trifft eine Welle auf den Schlauch, wandert ein Wulst aus Wasser die Röhre entlang, dessen Geschwindigkeit von Größe, Material und Elastizität des verwendeten Materials abhängt. Die Vorgänge im Schlauchinneren sorgen dafür, dass die Turbine angetrieben und Wellenenergie in nutzbare, regenerative Energie umgewandelt wird.

Der Aufbau der Anlagen soll mit möglichst wenigen beweglichen Teilen und Gelenken erfolgen, so dass eine Wartung möglichst standardisiert und einfach erfolgen kann. Die Röhren dürften dank ihrer Biegsamkeit auch schwere Unwetter auf hoher See gut überstehen. Etwa entlang der Küste der Vereinigten Staaten könnten solche interessanten Modelle für einen Durchbruch in Sachen regenerative Energien sorgen. Wissenschaftler sprechen von Wellenenergie-Ressourcen in Höhe von 2.100 Terawattstunden pro Jahr – allein für das zusammenhängende Gebiet der USA. Dies entspricht der Hälfte des jährlichen Stromverbrauchs der Amerikaner. Das Potenzial ist also entsprechend groß. Derzeit wird das Modell in englischen und amerikanischen Laboren weiterentwickelt und auf tatsächliche, praktische Tauglichkeit untersucht. So haben Forscher errechnet, dass die Vorrichtungen eine Länge von ungefähr zweihundert und einen Durchmesser von etwa sieben Metern umfassen könnten. Ganze Anaconda-Farmen könnten in den Meeren entstehen und künftig für Energiesicherheit sorgen. Das amerikanische Energieministerium geht davon aus, dass Ozeane für die Bereitstellung von etwa zwei Billionen Watt Elektrizität taugen.

Noch wird diese junge Technologie nicht in einem Maße gefördert, wie es Solar- und Windenergie derzeit erfahren. Experten gehen davon aus, dass die mögliche maximale Energiemenge bei etwa 250 Terawattstunden in den USA liegt – immerhin ein Wert, den derzeit die vielgeschätzte Wasserkraft liefert. Das Potential dieser neuen Form der Energiegewinnung ist also vorhanden. Es muss jedoch noch perfektioniert sowie ein geeignetes Nutzungskonzept entwickelt werden. Dann werden uns in absehbarer Zeit vielleicht auch Anacondas etwas sympathischer.

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