Die Deutsche Bank setzt Maßstäbe – diesmal nicht in Punkto Eigenkapitalrendite

Hätte man noch ein Symbol für die Größe, die Macht und die Imposanz eines der erfolgreichsten Bankhäuser der Welt gebraucht – das Hauptquartier der Deutschen Bank im Westend Frankfurt am Mains hätte den letzten Beweis erbracht. Die beiden spiegelsymmetrischen Türme mit ihrer Spiegelfassade dominieren die wohl bekannteste Skyline der Bundesrepublik, und fungieren als Herberge der konstanten Erfolgsgeschichte der Investmentbank.

Das seit 1984 in Gebrauch befindliche Gebäude bietet Platz für 2.500 Mitarbeiter und ragt 155 Meter in den Himmel der Bankenmetropole. Es wurde nicht ursprünglich für die Deutsche Bank errichtet – geplant war eine Wohn- und Büroimmobilie. Während der Bauphase entschied sich die Führung des Kreditinstituts für den Kauf des für damalige Verhältnisse pompösen Hochhauses. Doch die im Volksmund auch als „Soll und Haben“ bezeichneten Türme sind spätestens seit Anfang des neuen Jahrtausends in die Jahre gekommen. Als 2006 bekannt wurde, dass die Türme in Folge veränderter Brandschutzvorschriften zwingend umgebaut werden müssten, entschlossen sich die Verantwortlichen um CEO Josef Ackermann zu einer Runderneuerung der beiden Gebäude. Die Vision der „Greentowers“ war geboren. Seitdem wird mit großem Bauaufwand an diesem Wahrzeichen eines ressourcenschonenden und hochtechnologischen Arbeitsumfeldes gearbeitet. Schon 2010 sollen die für die Bauarbeiten umgesiedelten Mitarbeiter des Hauptquartiers die neuen Arbeitsplätze beziehen dürfen. Sie werden eines der ökologisch nachhaltigsten Bürogebäude der Welt vorfinden, das ein deutliches Zeichen in Richtung nachhaltiges Unternehmertum setzen wird.

Die Selbstverpflichtung der Bank, dem Thema Nachhaltigkeit auch geschäftspolitisch eine wesentliche Bedeutung zuzusprechen, geht bereits ins Jahr 1999 zurück. Als erste Bank weltweit ließ man das Nachhaltigkeitsmanagementsystem nach ISO 14001 zertifizieren. Zudem war die Deutsche Bank Erstunterzeichner des UN Global Compact zur Umsetzung universeller Umwelt- und Sozialprinzipien. Sind die Investitionen von rund 200 Millionen Euro für den Umbau der Firmenzentrale folglich nur logische Konsequenz? Nein, denn das Projekt der Deutschen Bank geht weit über das hinaus, was man eine normale und zeitgemäße Modernisierung nennen kann. Die Ziele, die mit den höchst energieeffizienten „Greentowers“ angestrebt werden, sind geradezu atemberaubend.

Eine hochisolierende Dreifach-Verglasung und Dämmung sorgt für eine Reduzierung der Heizenergie, die dem jährlichen Verbrauch von rund 750 Einfamilienhäusern entspricht. Doch damit nicht genug: es wird ein Energiespeichersystem für Heizung und Kühlung installiert, das auf Heiz- bzw. Kühldecken basiert, Wärmerückgewinnung ermöglicht und stromintensive mechanische Lüftung vermeidet. Trotzdem bleibt die Möglichkeit, jedes zweite Fenster des Gebäudes zu öffnen, um eine natürliche Luftzirkulation, und damit das Wohlbefinden der Mitarbeiter, sicherzustellen. Auch die Stromversorgung des Gebäudes wird penibel und hocheffizient gesteuert. So wird es nur dort Beleuchtung geben, wo und, vor allem, wann es nötig ist – Tageslicht wird durch intelligente Lösungen optimal genutzt. Die Kompaktheit der neuen Haustechnik sorgt zusätzlich für eine erhöhte Flächeneffizienz – die Banktürme gewinnen etwa 850 Quadtratmeter an Bürofläche hinzu. Es ist also Raum für etwa eine Aufstockung des Personals oder eine flexible und somit komfortable Raumnutzung. Ebenso imposant und ein Zeichen dafür, dass es den Verantwortlichen mit ihrem Effizienzpostulat tatsächlich ernst ist: Eine neue Aufzugstechnik, die nicht nur zu einer Erhöhung der Transportkapazität, sondern auch einer Verminderung von Wartezeiten führt, sorgt dafür, dass je nach Last und Fahrtrichtung zusätzlich Strom erzeugt wird. In Punkto Wasserversorgung wird bei der Deutschen Bank ab 2010 zunehmend auf hausinterne Wasserregulierung gesetzt, die durch einen weitestgehend geschlossenen Kreislauf bestimmt wird. Die Regenwasseraufbereitung, der Einbau wassersparender Systeme oder die Gewinnung des Warmwasserbedarfs aus solarthermischen Anlagen setzen ein deutliches Zeichen in Richtung künftiger Einsparpotenziale auch anderer Unternehmen.

Sogar die Abbruch- und Rückbauarbeiten selbst werden unter höchsten Nachhaltigkeits-gesichtspunkten vorgenommen: nur 2 Prozent der 30.500 Tonnen Abbruchmaterial werden entsorgt. Der Rest wurde auf verschiedene Weise für die Renovierung wiederverwendet. Dazu passt das mittelfristige Ziel, die Geschäftstätigkeit der rund 80.000 Mitarbeiter in 75 Ländern bis 2013 komplett klimaneutral zu gestalten. Die Energieeffizienz aller Immobilien der Deutschen Bank wird in den nächsten Jahren kontinuierlich verbessert.

Unter der Ägide des Mailänder Design- und Architekturbüros „Mario Bellini Architects“ setzt die Deutsche Bank mit ihrer architektonischen und energetischen Neugestaltung der Geschäftszentrale unter ökologischen Nachhaltigkeitskriterien neue Maßstäbe. Die Mitarbeiter werden zukünftig maximal die Vorzüge des Gebäudes genießen können: ihre Büros werden nach modernen Erkenntnissen umgebaut – von Raumaufteilung bis Raumklima. Dafür ist Mario Bellini höchst persönlich verantwortlich. Ziel ist es zudem, mit den neu geschaffenen begrünten Außenanlagen, dem für jedermann geöffneten Art Café, der Ausstellung der hausinternen Kunstsammlung sowie einer verbesserten Verkehrsanbindung, den Dialog zwischen Mitarbeitern und Besuchern zu ermöglichen.

Durch Nutzung erneuerbarer Energien, Ressourceneffizienz, intelligenter Gebäudetechnik und einer anspruchsvollen Architektur schafft das erfolgreichste Geldinstitut der Bundesrepublik optimale Arbeitsbedingungen, was langfristig den Erfolg der Deutschen Bank als Erfolgshebel dienen wird. Darüber hinaus wird dieser aktive Beitrag zum Klimaschutz zu einer vermeintlich positiven Imageentwicklung des von ihrem ambitionierten und erfolgreichen, sich jedoch öffentlich kommunikativ oftmals auf dünnem Eis bewegenden, Vorstandschef gesegneten Bankhauses führen. Die Investitionen werden sich langfristig auszahlen – für die Bank und die Umwelt.

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