Im ersten Moment klingt es stark nach Fiktion – „Bereits im Jahr 2030 wird das Ökosystem unseres Planeten kollabieren und damit unsere bestehenden Wirtschaftssysteme und den Wohlstand unserer Gesellschaft jäh beenden.“
Zu diesem Ergebnis kommen zumindest die Wissenschaftler, die für den Club of Rome 1972 zum ersten Mal einen Bericht mit dem Titel „Die Grenzen des Wachstums“ (Originaltitel: „Limits to Growth“) verfassten.
Es mag sein, dass Erkenntnisse aus den 70er Jahren verglichen mit dem heutigen Wissensstand mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden sollten. Trotzdem ist das Thema dieser Tage, vielleicht nicht aktueller denn je, aber zumindest wieder stark in den Köpfen der Menschen präsent. Das Überraschende ist, dass es zur Zeit keine Aktivisten von Greenpeace oder Attac sind, die demonstrieren oder sich an Bäume ketten um die Welt zur Vernunft zu mahnen. Es waren stattdessen führende Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, die sich am 26. Oktober 2009 zum Future Dialogue zusammengefunden haben, um genau diese Thematik zu diskutieren. Dennis L. Meadows, der wohl bekannteste Autor der „Grenzen des Wachstums“ Studie, war Teil der Runde.
Aber drehen wir die Zeit zum besseren Verständnis noch einmal für ein paar Jahre zurück.
1972 wurden zum ersten Mal Großraumrechner eingesetzt um die Grenzen des natürlichen Wachstums auf unserer Erde zu ermitteln. Hierfür wurden Szenarien unter der Betrachtung von fünf großen Trends erstellt: Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, Unterernährung, Ausbeutung von Rohstoffreserven und Zerstörung von Lebensraum.
Mit Hilfe dieser damals technologisch weit fortgeschrittenen Forschungsmethode prophezeiten die Wissenschaftler einen Kollaps der Ökosysteme im Jahr 2100. Man war sich seinerzeit vollkommen im klaren darüber, dass die eingesetzten Messwerte teilweise unzureichend waren. Deshalb wurden auch Szenarien aufgebaut, in denen beispielsweise die natürlichen Rohstoffvorkommen fünf mal größer angenommen wurden, als sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt bekannt waren. Am Gesamtergebnis hat das nur wenig geändert.
30 Jahre nach dem ersten Report, wurde ein Update der „Grenzen des Wachstums“ Studie veröffentlicht. Natürlich sind auch diese Ergebnisse alles andere als ermutigend ausgefallen. Und diejenigen, die sich eine leichte Verspätung des Zusammenbruchs unserer Umwelt erhofft hatten wurden schwer enttäuscht. Denn selbst unter allen Anstrengungen, die jetzt und voraussichtlich in Zukunft unternommen werden, liegt die deadline nach wie vor im Jahr 2100. Eine gewisse Validität der Messdaten zeichnet sich also ab. Bei einer Fortsetzung des Lebenswandels der letzten 30 Jahre geben uns Meadows & Co. gerade mal noch weitere 30 Jahre.

Quelle: Dennis Meadows, Future Dialogue: Business, Science and Politics in a Changing World - Berlin, Germany October 26, 2009
Meadows bezieht sich hierbei unter anderem auf den „ökologischen Fußabdruck“. Dieser beschreibt die Auswirkungen des menschlichen Handelns auf den Planeten oder bildlich gesprochen, ob wir überhaupt alle auf diesen einen Planeten „passen“. Würde zum Beispiel jeder Erdenbürger den Lebensstandard eines Durschnittsamerikaners leben, bräuchten wir unseren Planeten in 5-facher Ausführung . Nach Berechnungen des Global Footprint Network verbrauchen wir im weltweiten Durchschnitt innerhalb eines Jahres so viel vom Planeten, wie nur in einem Jahr und vier Monaten nachwachsen oder auf natürliche Weise abgebaut werden kann. Gemäß Meadows ist das Gleichgewicht bereits seit den frühen 1980er Jahren gestört und entwickelt sich seither zunehmend negativ.
Dementsprechend sind dem Wachstum unseres Wohlstands natürliche Grenzen gesetzt, die eines Tages unweigerlich erreicht werden müssen.
Wie die Bevölkerung zu diesem Thema im Zeitverlauf steht, beschreibt der Autor während seiner Eröffnungsrede zum Future Dialoge folgendermaßen:
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70er Jahre: Das Wachstum auf unserem Planeten hat keine Grenzen
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80er Jahre: Es gibt Grenzen des Wachstums, die aber in weiter Ferne liegen
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90er Jahre: Die Grenzen des Wachstums könnten schon bald erreicht werden, aber der Markt wird’s schon richten
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2000er: Der Markt kann die vor ihm liegenden Probleme nicht bewältigen. Dafür werden uns neue Technologien ermöglichen die Grenzen des Wachstums so stark zu auszuweiten, dass sich Einschränkungen erübrigen
Im Großen und Ganzen wird man diese Verhaltensweise wohl nur bestätigen können und wer möchte sich schon gerne alltäglich der unbequemen Wahrheit stellen, dass wir allesamt über unsere Verhältnisse leben. Zu allem Überfluss kämpfen wir auch noch mit einer globalen Wirtschaftskrise und müssen doch unsere Präferenzen überdenken, sprich den Umweltschutz für ein paar Jahre hinten anstellen.
Glücklicher Weise ist dem nicht ganz so. Ein Umdenken hat in Teilen der Wirtschaft längst stattgefunden. Der Future Dialogue, an dem 300 hochrangige Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, darüber diskutieren, wie eben diese einzelnen Bereiche besser miteinander kommunizieren können um eine engere Kooperation zu erreichen, wurde unter anderem von Siemens ausgerichtet. Siemens Vorstand Peter Löscher selbst war Wortführer während der Veranstaltung.
Es zeichnet sich zunehmend ab, dass nachhaltiges Wirtschaften mehr als nur eine leere Floskel ist. Siemens wird nach eigenen Angaben im kommenden Jahr kräftig an den regenerativen Energien verdienen. An dieser Stelle ist es also doch der Markt, der zur Problemlösung beiträgt.

Quelle: Dennis Meadows, Future Dialogue: Business, Science and Politics in a Changing World - Berlin, Germany October 26, 2009
Aber wurde dieser Markt nur künstlich von den Regierungen dieser Welt geschaffen um Unternehmen Anregungen zum Umweltschutz zu geben? So ist Deutschland mittlerweile führend in den Technologien rund um Photovoltaik und Solaranlagen. Wie sich zeigte aber hauptsächlich deshalb, weil die Subventionen vom Staat gewaltig sind und auch entsprechend ausgenutzt werden. Die Politik diskutiert bereits angestrengt darüber wie ein Ausstieg aus den bestehenden Verträgen mit der Solarindustrie vorzeitig möglich wäre, da die Kosten längst jeglichen Rahmen sprengen.
Lässt sich daraus also folgern, dass sich ein nachhaltiges Wirtschaften nur für einige Firmen auf natürlichem Wege profitabel umsetzen lässt? Oder ist es wirklich so, dass die nötigen Umweltfreundlichen Technologien längst vorhanden sind und lediglich breit eingesetzt werden müssten (Peter Löscher)? Vielleicht ist es die Ermangelung von Kommunikation und Kooperation zwischen den einzelnen Gremien aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, die ein Fortkommen und Umdenken der Gesellschaft bremst. Veranstaltungen, die so ernsthaft wie der Future Dialogue geführt werden, könnten zukünftig zeigen welches Potential noch nicht ausgeschöpft wurde.
Und trotzdem scheint die Gesellschaft an dieser Stelle außen vor gelassen. Schließlich ist es am Ende doch jeder einzelne, der seinen Beitrag leisten muss.
Glaubt man Menschen wie Dennis Meadows läuft uns die Zeit in rasender Geschwindigkeit davon. Und trotz der vielen harten Fakten, die er präsentiert, kann sich kaum jemand das baldige Ende der Welt überhaupt vorstellen. Was nicht sonderlich verwundert, wenn sich tausende Menschen von Gefahren bedroht sehen, die von wesentlich unmittelbarer Natur erscheinen, wie zum Beispiel den Verlust ihres Arbeitsplatzes, dank einer Wirtschaftskrise.
Noch weniger verwundert das leichte Desinteresse, wenn man bedenkt seit wie vielen Jahren diese Diskussionen schon geführt werden. Dabei werden zwar regelmäßig Fortschritte erzielt, gleichzeitig scheinen diese von aufstrebenden Schwellenländern wie China aber sofort wieder zunichte gemacht. Die Ermüdung tritt ein, man wendet sich anderen Problemen zu.
Aber die Frage am Ende bleibt: Wie werden die nächsten 10, 20 oder 50 Jahre aussehen? Und was werden die gestaltenden Kräfte in dieser Zeit sein? Können Wirtschaft, Wissenschaft und Politik überhaupt eine Kehrtwende erzwingen, ohne den weltweiten Rückhalt in der Bevölkerung? Oder wird die Erde letztlich doch noch in diesem Jahrhundert im Chaos versinken?
Es gibt zweifelsohne viele Menschen, die gegen dieses Szenario ankämpfen. Und noch mehr Menschen, die dem Thema annähernd gleichgültig gegenüber stehen.
Die Zeit wird zeigen was passiert.

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