Monthly Archive for Oktober, 2009

Future Dialogue in Berlin – Nur ein weiterer Versuch die Welt zu retten…?

Im ersten Moment klingt es stark nach Fiktion – „Bereits im Jahr 2030 wird das Ökosystem unseres Planeten kollabieren und damit unsere bestehenden Wirtschaftssysteme und den Wohlstand unserer Gesellschaft jäh beenden.“

Zu diesem Ergebnis kommen zumindest die Wissenschaftler, die für den Club of Rome 1972 zum ersten Mal einen Bericht mit dem Titel „Die Grenzen des Wachstums“ (Originaltitel: „Limits to Growth“) verfassten.

Es mag sein, dass Erkenntnisse aus den 70er Jahren verglichen mit dem heutigen Wissensstand mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden sollten. Trotzdem ist das Thema dieser Tage, vielleicht nicht aktueller denn je, aber zumindest wieder stark in den Köpfen der Menschen präsent. Das Überraschende ist, dass es zur Zeit keine Aktivisten von Greenpeace oder Attac sind, die demonstrieren oder sich an Bäume ketten um die Welt zur Vernunft zu mahnen. Es waren stattdessen führende Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, die sich am 26. Oktober 2009 zum Future Dialogue zusammengefunden haben, um genau diese Thematik zu diskutieren. Dennis L. Meadows, der wohl bekannteste Autor der „Grenzen des Wachstums“ Studie, war Teil der Runde.

Aber drehen wir die Zeit zum besseren Verständnis noch einmal für ein paar Jahre zurück.

1972 wurden zum ersten Mal Großraumrechner eingesetzt um die Grenzen des natürlichen Wachstums auf unserer Erde zu ermitteln. Hierfür wurden Szenarien unter der Betrachtung von fünf großen Trends erstellt: Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, Unterernährung, Ausbeutung von Rohstoffreserven und Zerstörung von Lebensraum.

Mit Hilfe dieser damals technologisch weit fortgeschrittenen Forschungsmethode prophezeiten die Wissenschaftler einen Kollaps der Ökosysteme im Jahr 2100. Man war sich seinerzeit vollkommen im klaren darüber, dass die eingesetzten Messwerte teilweise unzureichend waren. Deshalb wurden auch Szenarien aufgebaut, in denen beispielsweise die natürlichen Rohstoffvorkommen fünf mal größer angenommen wurden, als sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt bekannt waren. Am Gesamtergebnis hat das nur wenig geändert.

30 Jahre nach dem ersten Report, wurde ein Update der „Grenzen des Wachstums“ Studie veröffentlicht. Natürlich sind auch diese Ergebnisse alles andere als ermutigend ausgefallen. Und diejenigen, die sich eine leichte Verspätung des Zusammenbruchs unserer Umwelt erhofft hatten wurden schwer enttäuscht. Denn selbst unter allen Anstrengungen, die jetzt und voraussichtlich in Zukunft unternommen werden, liegt die deadline nach wie vor im Jahr 2100. Eine gewisse Validität der Messdaten zeichnet sich also ab. Bei einer Fortsetzung des Lebenswandels der letzten 30 Jahre geben uns Meadows & Co. gerade mal noch weitere 30 Jahre.

Quelle: Dennis Meadows, Future Dialogue: Business, Science and Politics in a Changing World - Berlin, Germany October 26, 2009

Quelle: Dennis Meadows, Future Dialogue: Business, Science and Politics in a Changing World - Berlin, Germany October 26, 2009

Meadows bezieht sich hierbei unter anderem auf den „ökologischen Fußabdruck“. Dieser beschreibt die Auswirkungen des menschlichen Handelns auf den Planeten oder bildlich gesprochen, ob wir überhaupt alle auf diesen einen Planeten „passen“. Würde zum Beispiel jeder Erdenbürger den Lebensstandard eines Durschnittsamerikaners leben, bräuchten wir unseren Planeten in 5-facher Ausführung . Nach Berechnungen des Global Footprint Network verbrauchen wir im weltweiten Durchschnitt innerhalb eines Jahres so viel vom Planeten, wie nur in einem Jahr und vier Monaten nachwachsen oder auf natürliche Weise abgebaut werden kann. Gemäß Meadows ist das Gleichgewicht bereits seit den frühen 1980er Jahren gestört und entwickelt sich seither zunehmend negativ.

Dementsprechend sind dem Wachstum unseres Wohlstands natürliche Grenzen gesetzt, die eines Tages unweigerlich erreicht werden müssen.

Wie die Bevölkerung zu diesem Thema im Zeitverlauf steht, beschreibt der Autor während seiner Eröffnungsrede zum Future Dialoge folgendermaßen:

  • 70er Jahre: Das Wachstum auf unserem Planeten hat keine Grenzen

  • 80er Jahre: Es gibt Grenzen des Wachstums, die aber in weiter Ferne liegen

  • 90er Jahre: Die Grenzen des Wachstums könnten schon bald erreicht werden, aber der Markt wird’s schon richten

  • 2000er: Der Markt kann die vor ihm liegenden Probleme nicht bewältigen. Dafür werden uns neue Technologien ermöglichen die Grenzen des Wachstums so stark zu auszuweiten, dass sich Einschränkungen erübrigen

Im Großen und Ganzen wird man diese Verhaltensweise wohl nur bestätigen können und wer möchte sich schon gerne alltäglich der unbequemen Wahrheit stellen, dass wir allesamt über unsere Verhältnisse leben. Zu allem Überfluss kämpfen wir auch noch mit einer globalen Wirtschaftskrise und müssen doch unsere Präferenzen überdenken, sprich den Umweltschutz für ein paar Jahre hinten anstellen.

Glücklicher Weise ist dem nicht ganz so. Ein Umdenken hat in Teilen der Wirtschaft längst stattgefunden. Der Future Dialogue, an dem 300 hochrangige Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, darüber diskutieren, wie eben diese einzelnen Bereiche besser miteinander kommunizieren können um eine engere Kooperation zu erreichen, wurde unter anderem von Siemens ausgerichtet. Siemens Vorstand Peter Löscher selbst war Wortführer während der Veranstaltung.

Es zeichnet sich zunehmend ab, dass nachhaltiges Wirtschaften mehr als nur eine leere Floskel ist. Siemens wird nach eigenen Angaben im kommenden Jahr kräftig an den regenerativen Energien verdienen. An dieser Stelle ist es also doch der Markt, der zur Problemlösung beiträgt.

Quelle: Dennis Meadows, Future Dialogue: Business, Science and Politics in a Changing World - Berlin, Germany October 26, 2009

Quelle: Dennis Meadows, Future Dialogue: Business, Science and Politics in a Changing World - Berlin, Germany October 26, 2009

Aber wurde dieser Markt nur künstlich von den Regierungen dieser Welt geschaffen um Unternehmen Anregungen zum Umweltschutz zu geben? So ist Deutschland mittlerweile führend in den Technologien rund um Photovoltaik und Solaranlagen. Wie sich zeigte aber hauptsächlich deshalb, weil die Subventionen vom Staat gewaltig sind und auch entsprechend ausgenutzt werden. Die Politik diskutiert bereits angestrengt darüber wie ein Ausstieg aus den bestehenden Verträgen mit der Solarindustrie vorzeitig möglich wäre, da die Kosten längst jeglichen Rahmen sprengen.

Lässt sich daraus also folgern, dass sich ein nachhaltiges Wirtschaften nur für einige Firmen auf natürlichem Wege profitabel umsetzen lässt? Oder ist es wirklich so, dass die nötigen Umweltfreundlichen Technologien längst vorhanden sind und lediglich breit eingesetzt werden müssten (Peter Löscher)? Vielleicht ist es die Ermangelung von Kommunikation und Kooperation zwischen den einzelnen Gremien aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, die ein Fortkommen und Umdenken der Gesellschaft bremst. Veranstaltungen, die so ernsthaft wie der Future Dialogue geführt werden, könnten zukünftig zeigen welches Potential noch nicht ausgeschöpft wurde.

Und trotzdem scheint die Gesellschaft an dieser Stelle außen vor gelassen. Schließlich ist es am Ende doch jeder einzelne, der seinen Beitrag leisten muss.

Glaubt man Menschen wie Dennis Meadows läuft uns die Zeit in rasender Geschwindigkeit davon. Und trotz der vielen harten Fakten, die er präsentiert, kann sich kaum jemand das baldige Ende der Welt überhaupt vorstellen. Was nicht sonderlich verwundert, wenn sich tausende Menschen von Gefahren bedroht sehen, die von wesentlich unmittelbarer Natur erscheinen, wie zum Beispiel den Verlust ihres Arbeitsplatzes, dank einer Wirtschaftskrise.

Noch weniger verwundert das leichte Desinteresse, wenn man bedenkt seit wie vielen Jahren diese Diskussionen schon geführt werden. Dabei werden zwar regelmäßig Fortschritte erzielt, gleichzeitig scheinen diese von aufstrebenden Schwellenländern wie China aber sofort wieder zunichte gemacht. Die Ermüdung tritt ein, man wendet sich anderen Problemen zu.

Aber die Frage am Ende bleibt: Wie werden die nächsten 10, 20 oder 50 Jahre aussehen? Und was werden die gestaltenden Kräfte in dieser Zeit sein? Können Wirtschaft, Wissenschaft und Politik überhaupt eine Kehrtwende erzwingen, ohne den weltweiten Rückhalt in der Bevölkerung? Oder wird die Erde letztlich doch noch in diesem Jahrhundert im Chaos versinken?

Es gibt zweifelsohne viele Menschen, die gegen dieses Szenario ankämpfen. Und noch mehr Menschen, die dem Thema annähernd gleichgültig gegenüber stehen.

Die Zeit wird zeigen was passiert.

2009 by King Features Syndicate, Inc. World rights reserved.

2009 by King Features Syndicate, Inc. World rights reserved.

Künstliche Bäume – die ultimative Lösung des Klimawandels?

Die Erderwärmung hat schwerwiegende Folgen und extreme Auswirkungen, mit denen wir in Zukunft zu rechnen haben. Eine ganze Reihe von Aktivitäten zielen auf die Reduzierung von CO2 Emissionen ab bzw. beschäftigen sich mit Möglichkeiten wie das Kohlenstoffdioxid aus der Luft gefiltert werden kann. Es gibt neben den „konventionellen Methoden“, wie die Forschung und Nutzung erneuerbarer Energien, eine Reihe von außergewöhnlichen Projekten im Bereich des sogenannten Geo-Engineering. Diese beschäftigen sich mit der Reduktion des Treibhauseffekts und bieten Lösungsmöglichkeiten an. Die meisten Ideen wirken etwas ‘exotisch’. Doch in der verzweifelten Situation in der unsere Erde und wir Menschen zweifelsohne stecken, sollten auch unkonventionelle Gedanken verfolgt werden.

Einer dieser potentiellen Lösungsansätze des Geo-Engineering ist die Idee künstlicher Bäume, die Kohlendioxid binden. Künstliche Bäume sind große, fächerförmig aufgespannte Membranen die mit CO2-bindenden Materialien beschichtet werden und nahezu überall aufgestellt werden könnten. Laut dem Institute for Mechanical Engineering wären wohl mit dem heutigen Stand der Technik weit über 30 Millionen solcher künstlichen Bäume notwendig, um die ca. 33 Milliarden Tonnen Kohlenstoffdioxid, die jährlich durch menschliches Verschulden freigesetzt werden, aufzunehmen. Dies dürfte – mal abgesehen von den immensen Kosten – doch angesichts der akuten Gefahren für unsere Umwelt niemanden groß stören. Selbst die griesgrämigsten ‘Zukunft-der-Umwelt-egal–-Hauptsache-mein-Blick-darauf-bleibt-frei’- Verfechter gegen Windräder sind mittlerweile verstummt. Und wer die Teletubbies- Windradlandschaft gedanklich auszublenden vermag, sollte doch einem Bild wie diesem hier sogar etwas Schönes oder zumindest Positives abgewinnen können:

Geo Engeneering / Künstliche Bäume

Der vom Menschen erzeugte CO2-Überschuss wird zwar durch natürliche Prozesse wieder aus der Atmosphäre entfernt, doch das dauert Jahrhunderte. Die künstlichen Bäume fungieren als „CO2-Fänger“, die das Gas mittels unterschiedlicher chemischer und physikalischer Methoden in großem Maßstab aus der Luft filtern sollen. Die Methode wird federführend von Physikprofessor Klaus Lackner propagiert, der am „Earth Institute“ der Columbia University in New York forscht. An der technischen Umsetzung arbeitet die Firma Global Research Technologies aus Tucson (Arizona, USA). In den „Bäumen“ soll die Luft über Kalkwasser geleitet werden, welches das CO2 löst und als Abfallprodukt Kalkstein hinterlässt. Im Anschluss wird das Gas hieraus wieder entfernt und kann z.B. unterirdisch in stillgelegten Bergbaustollen gelagert werden. Der Prozess ist ein geschlossener Kreislauf, wobei lediglich das freigesetzte CO2, zum Beispiel über Pipelines, abtransportiert werden muss. Ich bin weder Chemiker noch Ingenieur, deshalb sei es mal bei dieser extrem vereinfachten Darstellung belassen – das Verfahren nennt sich jedenfalls CCS (Carbon Capture and Storage).

Geo Engeneering / Künstliche Bäume im Meer

Auch an anderen Standorten, an denen sie wenig stören, zum Beispiel auch im Meer oder in der Wüste, könnten die „Bäume“ auf der ganzen Welt aufgestellt werden. Angeblich sollen diese überdimensionalen Tennisschläger bis zu 95% der CO2 Emissionen aus der Luft filtern können.

Und was kostet der Spaß? Ein künstlicher Baum soll ca. 14.000 Euro kosten und könnte zehn Tonnen CO2 pro Tag absorbieren (Ein natürlicher Baum im Vergleich bindet nur 60 bis 100 Gramm pro Tag). Runter gerechnet auf jede abgeschiedene Tonne CO2 soll der Preis bei ca. 20 Euro (bzw. laut mancher Forscher doch über 70 Euro) liegen. Das bedeutet, dass in den USA 1 Liter Benzin ca. 5 Cent teurer werden würde – bei den ohnehin deutlich niedrigeren Benzinpreisen in den USA wohl absolut machbar; aber auch hierzulande sollte uns der Schutz der Umwelt das Wert sein. Die ersten künstlichen Wälder könnten ab 2015 installiert werden. An Autobahnen zum Beispiel, könnten die Bäume sogar als Werbeflächen genutzt und sich somit teilweise selbst finanzieren.

Bis hierhin alles rosig – oder besser gesagt schön grün. Und warum macht man das nicht einfach? Wie die meisten Dinge ist es auch hier einfacher gesagt als getan. Die Methode ist laut Experten technisch machbar. In den USA hat sich bereits eine Gruppe philantropischer potenzieller Finanziers gefunden. Die „CO2-Fänger“ können gegebenenfalls sogar in den globalen Emissionshandel einbezogen werden, der sich für die kommenden Jahre abzeichnet. Was aber über Erfolg und Mißerfolg des Projekts entscheidet, ist die Wirtschaftlichkeit, denn die Arbeit eines „Baumes“ verbraucht viel Energie und wenn diese den Nutzen übersteigt, ist das Projekt sinnlos. Die zur CO2-Abscheidung nötige Energie könnten zwar eventuell Windkrafträder liefern, die in unmittelbarer Nähe zu den künstlichen Bäumen stehen, aber auch hier ist bei dem aktuellen Stand der Technik fraglich, ob dies langfristig und konstant ausreichend ist. Auch gibt es bisher mit CCS-Kohlekraftwerken eine deutlich kostengünstigere Alternative, bei der eine Tonne gesammeltes CO2 nur ca. 15-20 Euro kosten soll. Darüber hinaus ist das Unterfangen eine gigantische Aufgabe; denn um die erforderlichen Mengen Treibhausgas aus der Luft zu sammeln, muss jeder Quadratmeter Atmosphäre einmal an einem künstlichen Baum vorbei gekommen sein. Es muss sich also die Erdatmosphäre einmal gesamt umwälzen; wobei wir hier von einer Masse von fünf Billiarden Tonnen reden. Ich habe das Gefühl, ein bisschen Wind reicht da nicht und der Prozess wird lange Zeit in Anspruch nehmen.

Geo-Engineering allgemein wird zudem heiß diskutiert; stellt es doch nichts anderes als einen erheblichen menschlichen Eingriff in den Energiehaushalt der Atmosphäre dar. Wir alle wissen, dass menschliche Eingriffe häufig nichts gutes bewirkten und teilweise zu den heutigen Problemen beigetragen oder diese sogar verursacht haben. Viele Zusammenhänge versteht der Mensch, der sich seit jeher selbst überschätzt, nicht und es ist unmöglich alle Konsequenzen vorauszusagen. Gleichzeitig darf es nicht dazu kommen, dass Geo-Engineering als Freifahrtschein zur Einstellung anderer Lösungsansätze mißbraucht wird.

Bei allen Faktoren die abgewogen werden müssen und sicherlich noch einer Menge Arbeit bis zur Perfektionierung der Methode bedürfen, können künstliche Bäume mindestens ein Baustein in der Gesamtstrategie der Klimaschutzmaßnahmen sein. Vermutlich wird die CCS-Technologie häufig im Kostenvergleich zur Vermeidung von CO2 Emissionen günstiger sein. Zudem hat die Baum-Methode gegenüber entsprechenden Kohlekraftwerken den Vorteil, dass frühere Emissionen nachträglich kompensiert werden können. Hört sich für mich, bei der Ewigkeit die die internationalen Politik bereits für kleine Entscheidungen braucht, durchaus sinnvoll an.

Nichtsdestotrotz sollte niemand denken, dass wir uns zurück lehnen können. Geo- Engineering wird vornehmlich als Möglichkeit gesehen Zeit zu gewinnen, um die Erderwärmung tiefer zu erforschen und langfristig Probleme zu lösen. Wir werden um die große Aufgabe die CO2 Emissionen drastisch zu senken nicht herumkommen.

Ökolonomisch – grüne Innovationskraft in Deutschland!?

Ökologische Geschäftsideen zur Erreichung ökonomischer Ziele

Immer mehr Unternehmen jeder Art in Deutschland stellen sich ihrer Verantwortung gegenüber unserer Umwelt – ein In-Thema und doch mittlerweile fast ein alter Hut.

Doch welche Überzeugungen stecken hinter den Aktivitäten vieler Unternehmen? PR oder echte Anliegen? Fähnchen im Wind oder tiefgreifende Umbrüche im ökonomischen Denken? Häufig sind die Motive undurchsichtig und die Beurteilung schwierig.

Gleichzeitig kann ein Umdenken nicht von den Spitzen der Pflanze verordnet werden – es muss bis in die Wurzeln gehen. In einer individualistischen, selbstbestimmten Gesellschaft resultiert das akzeptierte Geschäftsgebaren aus den Überzeugungen und Verhaltensweisen der Menschen. So machen in einem Unternehmen alle Mitarbeiter dessen Kultur aus. Die besten Ansätze des nachhaltigen Wirtschaftens laufen Gefahr als PR-Maßnahmen in den Tiefen der Budgets ein trauriges Dasein zu fristen, wenn die Mitarbeiter in einem Unternehmen die Überzeugungen und Ziele nachhaltigen Handelns nicht teilen. Denn nur wenn das der Fall ist, ergibt sich langfristig die Einheit aus reellen ökologischen und ökonomischen Verbesserungen sowie einer authentischen Wirkung nach Außen.

Die Verantwortung gegenüber der Umwelt sollte somit im Idealfall tief im Selbstverständnis eines Unternehmens und jedes seiner Mitarbeiter verankert sein.

Man kann nicht von jedem Unternehmen ein sofortiges, derart tiefes Umdenken verlangen. Unternehmenskultur ist ein organisches Geflecht das – einmal gesetzt – viel Zeit für Veränderungen braucht. Einfacher haben es da jüngere Unternehmen, deren Kultur sich entwickelt und noch wächst. Noch einen Schritt weiter findet man heutzutage vermehrt Unternehmen, bei denen die Verbindung von ökologischen und ökonomischen Zielen im Handeln ein Teil ihrer ,raison d‘être‘ ist. Unternehmen, die nicht nur auf den Trend-Zug aufspringen sondern deren Geschäftsmodelle bereits auf ökologischen Zielfunktionen basiert. Diese Unternehmen machen sich ohne Zweifel den steigenden Nachhaltigkeits-Trend zu Nutze und punkten damit nicht nur bei Kunden und Partnern, sondern können auch auf politische Unterstützung hoffen. Sie zeichnen sich aber auch automatisch durch eine intrinsische Unternehmenskultur nachhaltigen Wirtschaftens aus.

Besonders in den USA gibt es bereits eine Vielzahl von Geschäftsmodellen mit ökologischem Fokus. Ein Beispiel ist Green Concierge Travel, eine Art grüner Reise-Coach. Für jegliche Art von Reisen findet man hier Angebote und Tipps für ökologisches Reisen. ,Ecotravel‘ und ,Ecotourism‘ heißt die Devise. Im Vordergrund hierbei steht nicht nur das Reisen selbst, sondern auch die Möglichkeit am jeweiligen Zielort wie Zuhause Unternehmen zu unterstützen, die einen ökologischen Lebensstil unterstützen – vom umweltfreundlichen Reinigungs-Service ohne giftige Chemikalien, bis zum Restaurant, das ausschließlich auf lokale Erzeuger zurück greift. Aber auch hierzulande stehen die Zeichen gut, solche Dienstleistungen auch in Deutschland weiter zu etablieren. Nicht zuletzt ist Deutschland eines der „grünsten“ Länder. Im Pendant zu Green Concierge Travel steht mit einer ähnlichen Geschäftsidee das Unternehmen Colibri Umweltreisen. Dies kompensiert die Klimabilanz von Flugreisen durch Baumpflanzungen: bei einem Flug innerhalb Europas werden 50 Bäume pro Person gespendet, bei einem Langstreckenflug 100 Bäume pro Person.

Viel unternehmerische Energie in Deutschland zielt darauf ab ökologische Grundsätze mit ökonomischen Zielsetzungen zu verbinden. Ich habe mich viel mit diesem Thema beschäftigt, aber mich würde interessieren, welche Unternehmen Ihr vielleicht noch kennt, die solch einen Ansatz in ihrem Geschäftsmodell verfolgen.

Ich würde mich freuen Kommentare von Euch zu diesem Thema zu bekommen und bin sehr gespannt auf Eure Meinung und die Firmen, die Ihr noch kennt.

Zeigt mir die ökolonomische Innovationskraft Deutschlands!