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Future Dialogue in Berlin – Nur ein weiterer Versuch die Welt zu retten…?

Im ersten Moment klingt es stark nach Fiktion – „Bereits im Jahr 2030 wird das Ökosystem unseres Planeten kollabieren und damit unsere bestehenden Wirtschaftssysteme und den Wohlstand unserer Gesellschaft jäh beenden.“

Zu diesem Ergebnis kommen zumindest die Wissenschaftler, die für den Club of Rome 1972 zum ersten Mal einen Bericht mit dem Titel „Die Grenzen des Wachstums“ (Originaltitel: „Limits to Growth“) verfassten.

Es mag sein, dass Erkenntnisse aus den 70er Jahren verglichen mit dem heutigen Wissensstand mit einer gewissen Skepsis betrachtet werden sollten. Trotzdem ist das Thema dieser Tage, vielleicht nicht aktueller denn je, aber zumindest wieder stark in den Köpfen der Menschen präsent. Das Überraschende ist, dass es zur Zeit keine Aktivisten von Greenpeace oder Attac sind, die demonstrieren oder sich an Bäume ketten um die Welt zur Vernunft zu mahnen. Es waren stattdessen führende Köpfe aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, die sich am 26. Oktober 2009 zum Future Dialogue zusammengefunden haben, um genau diese Thematik zu diskutieren. Dennis L. Meadows, der wohl bekannteste Autor der „Grenzen des Wachstums“ Studie, war Teil der Runde.

Aber drehen wir die Zeit zum besseren Verständnis noch einmal für ein paar Jahre zurück.

1972 wurden zum ersten Mal Großraumrechner eingesetzt um die Grenzen des natürlichen Wachstums auf unserer Erde zu ermitteln. Hierfür wurden Szenarien unter der Betrachtung von fünf großen Trends erstellt: Industrialisierung, Bevölkerungswachstum, Unterernährung, Ausbeutung von Rohstoffreserven und Zerstörung von Lebensraum.

Mit Hilfe dieser damals technologisch weit fortgeschrittenen Forschungsmethode prophezeiten die Wissenschaftler einen Kollaps der Ökosysteme im Jahr 2100. Man war sich seinerzeit vollkommen im klaren darüber, dass die eingesetzten Messwerte teilweise unzureichend waren. Deshalb wurden auch Szenarien aufgebaut, in denen beispielsweise die natürlichen Rohstoffvorkommen fünf mal größer angenommen wurden, als sie zum gegenwärtigen Zeitpunkt bekannt waren. Am Gesamtergebnis hat das nur wenig geändert.

30 Jahre nach dem ersten Report, wurde ein Update der „Grenzen des Wachstums“ Studie veröffentlicht. Natürlich sind auch diese Ergebnisse alles andere als ermutigend ausgefallen. Und diejenigen, die sich eine leichte Verspätung des Zusammenbruchs unserer Umwelt erhofft hatten wurden schwer enttäuscht. Denn selbst unter allen Anstrengungen, die jetzt und voraussichtlich in Zukunft unternommen werden, liegt die deadline nach wie vor im Jahr 2100. Eine gewisse Validität der Messdaten zeichnet sich also ab. Bei einer Fortsetzung des Lebenswandels der letzten 30 Jahre geben uns Meadows & Co. gerade mal noch weitere 30 Jahre.

Quelle: Dennis Meadows, Future Dialogue: Business, Science and Politics in a Changing World - Berlin, Germany October 26, 2009

Quelle: Dennis Meadows, Future Dialogue: Business, Science and Politics in a Changing World - Berlin, Germany October 26, 2009

Meadows bezieht sich hierbei unter anderem auf den „ökologischen Fußabdruck“. Dieser beschreibt die Auswirkungen des menschlichen Handelns auf den Planeten oder bildlich gesprochen, ob wir überhaupt alle auf diesen einen Planeten „passen“. Würde zum Beispiel jeder Erdenbürger den Lebensstandard eines Durschnittsamerikaners leben, bräuchten wir unseren Planeten in 5-facher Ausführung . Nach Berechnungen des Global Footprint Network verbrauchen wir im weltweiten Durchschnitt innerhalb eines Jahres so viel vom Planeten, wie nur in einem Jahr und vier Monaten nachwachsen oder auf natürliche Weise abgebaut werden kann. Gemäß Meadows ist das Gleichgewicht bereits seit den frühen 1980er Jahren gestört und entwickelt sich seither zunehmend negativ.

Dementsprechend sind dem Wachstum unseres Wohlstands natürliche Grenzen gesetzt, die eines Tages unweigerlich erreicht werden müssen.

Wie die Bevölkerung zu diesem Thema im Zeitverlauf steht, beschreibt der Autor während seiner Eröffnungsrede zum Future Dialoge folgendermaßen:

  • 70er Jahre: Das Wachstum auf unserem Planeten hat keine Grenzen

  • 80er Jahre: Es gibt Grenzen des Wachstums, die aber in weiter Ferne liegen

  • 90er Jahre: Die Grenzen des Wachstums könnten schon bald erreicht werden, aber der Markt wird’s schon richten

  • 2000er: Der Markt kann die vor ihm liegenden Probleme nicht bewältigen. Dafür werden uns neue Technologien ermöglichen die Grenzen des Wachstums so stark zu auszuweiten, dass sich Einschränkungen erübrigen

Im Großen und Ganzen wird man diese Verhaltensweise wohl nur bestätigen können und wer möchte sich schon gerne alltäglich der unbequemen Wahrheit stellen, dass wir allesamt über unsere Verhältnisse leben. Zu allem Überfluss kämpfen wir auch noch mit einer globalen Wirtschaftskrise und müssen doch unsere Präferenzen überdenken, sprich den Umweltschutz für ein paar Jahre hinten anstellen.

Glücklicher Weise ist dem nicht ganz so. Ein Umdenken hat in Teilen der Wirtschaft längst stattgefunden. Der Future Dialogue, an dem 300 hochrangige Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft, darüber diskutieren, wie eben diese einzelnen Bereiche besser miteinander kommunizieren können um eine engere Kooperation zu erreichen, wurde unter anderem von Siemens ausgerichtet. Siemens Vorstand Peter Löscher selbst war Wortführer während der Veranstaltung.

Es zeichnet sich zunehmend ab, dass nachhaltiges Wirtschaften mehr als nur eine leere Floskel ist. Siemens wird nach eigenen Angaben im kommenden Jahr kräftig an den regenerativen Energien verdienen. An dieser Stelle ist es also doch der Markt, der zur Problemlösung beiträgt.

Quelle: Dennis Meadows, Future Dialogue: Business, Science and Politics in a Changing World - Berlin, Germany October 26, 2009

Quelle: Dennis Meadows, Future Dialogue: Business, Science and Politics in a Changing World - Berlin, Germany October 26, 2009

Aber wurde dieser Markt nur künstlich von den Regierungen dieser Welt geschaffen um Unternehmen Anregungen zum Umweltschutz zu geben? So ist Deutschland mittlerweile führend in den Technologien rund um Photovoltaik und Solaranlagen. Wie sich zeigte aber hauptsächlich deshalb, weil die Subventionen vom Staat gewaltig sind und auch entsprechend ausgenutzt werden. Die Politik diskutiert bereits angestrengt darüber wie ein Ausstieg aus den bestehenden Verträgen mit der Solarindustrie vorzeitig möglich wäre, da die Kosten längst jeglichen Rahmen sprengen.

Lässt sich daraus also folgern, dass sich ein nachhaltiges Wirtschaften nur für einige Firmen auf natürlichem Wege profitabel umsetzen lässt? Oder ist es wirklich so, dass die nötigen Umweltfreundlichen Technologien längst vorhanden sind und lediglich breit eingesetzt werden müssten (Peter Löscher)? Vielleicht ist es die Ermangelung von Kommunikation und Kooperation zwischen den einzelnen Gremien aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik, die ein Fortkommen und Umdenken der Gesellschaft bremst. Veranstaltungen, die so ernsthaft wie der Future Dialogue geführt werden, könnten zukünftig zeigen welches Potential noch nicht ausgeschöpft wurde.

Und trotzdem scheint die Gesellschaft an dieser Stelle außen vor gelassen. Schließlich ist es am Ende doch jeder einzelne, der seinen Beitrag leisten muss.

Glaubt man Menschen wie Dennis Meadows läuft uns die Zeit in rasender Geschwindigkeit davon. Und trotz der vielen harten Fakten, die er präsentiert, kann sich kaum jemand das baldige Ende der Welt überhaupt vorstellen. Was nicht sonderlich verwundert, wenn sich tausende Menschen von Gefahren bedroht sehen, die von wesentlich unmittelbarer Natur erscheinen, wie zum Beispiel den Verlust ihres Arbeitsplatzes, dank einer Wirtschaftskrise.

Noch weniger verwundert das leichte Desinteresse, wenn man bedenkt seit wie vielen Jahren diese Diskussionen schon geführt werden. Dabei werden zwar regelmäßig Fortschritte erzielt, gleichzeitig scheinen diese von aufstrebenden Schwellenländern wie China aber sofort wieder zunichte gemacht. Die Ermüdung tritt ein, man wendet sich anderen Problemen zu.

Aber die Frage am Ende bleibt: Wie werden die nächsten 10, 20 oder 50 Jahre aussehen? Und was werden die gestaltenden Kräfte in dieser Zeit sein? Können Wirtschaft, Wissenschaft und Politik überhaupt eine Kehrtwende erzwingen, ohne den weltweiten Rückhalt in der Bevölkerung? Oder wird die Erde letztlich doch noch in diesem Jahrhundert im Chaos versinken?

Es gibt zweifelsohne viele Menschen, die gegen dieses Szenario ankämpfen. Und noch mehr Menschen, die dem Thema annähernd gleichgültig gegenüber stehen.

Die Zeit wird zeigen was passiert.

2009 by King Features Syndicate, Inc. World rights reserved.

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Ökolonomisch – grüne Innovationskraft in Deutschland!?

Ökologische Geschäftsideen zur Erreichung ökonomischer Ziele

Immer mehr Unternehmen jeder Art in Deutschland stellen sich ihrer Verantwortung gegenüber unserer Umwelt – ein In-Thema und doch mittlerweile fast ein alter Hut.

Doch welche Überzeugungen stecken hinter den Aktivitäten vieler Unternehmen? PR oder echte Anliegen? Fähnchen im Wind oder tiefgreifende Umbrüche im ökonomischen Denken? Häufig sind die Motive undurchsichtig und die Beurteilung schwierig.

Gleichzeitig kann ein Umdenken nicht von den Spitzen der Pflanze verordnet werden – es muss bis in die Wurzeln gehen. In einer individualistischen, selbstbestimmten Gesellschaft resultiert das akzeptierte Geschäftsgebaren aus den Überzeugungen und Verhaltensweisen der Menschen. So machen in einem Unternehmen alle Mitarbeiter dessen Kultur aus. Die besten Ansätze des nachhaltigen Wirtschaftens laufen Gefahr als PR-Maßnahmen in den Tiefen der Budgets ein trauriges Dasein zu fristen, wenn die Mitarbeiter in einem Unternehmen die Überzeugungen und Ziele nachhaltigen Handelns nicht teilen. Denn nur wenn das der Fall ist, ergibt sich langfristig die Einheit aus reellen ökologischen und ökonomischen Verbesserungen sowie einer authentischen Wirkung nach Außen.

Die Verantwortung gegenüber der Umwelt sollte somit im Idealfall tief im Selbstverständnis eines Unternehmens und jedes seiner Mitarbeiter verankert sein.

Man kann nicht von jedem Unternehmen ein sofortiges, derart tiefes Umdenken verlangen. Unternehmenskultur ist ein organisches Geflecht das – einmal gesetzt – viel Zeit für Veränderungen braucht. Einfacher haben es da jüngere Unternehmen, deren Kultur sich entwickelt und noch wächst. Noch einen Schritt weiter findet man heutzutage vermehrt Unternehmen, bei denen die Verbindung von ökologischen und ökonomischen Zielen im Handeln ein Teil ihrer ,raison d‘être‘ ist. Unternehmen, die nicht nur auf den Trend-Zug aufspringen sondern deren Geschäftsmodelle bereits auf ökologischen Zielfunktionen basiert. Diese Unternehmen machen sich ohne Zweifel den steigenden Nachhaltigkeits-Trend zu Nutze und punkten damit nicht nur bei Kunden und Partnern, sondern können auch auf politische Unterstützung hoffen. Sie zeichnen sich aber auch automatisch durch eine intrinsische Unternehmenskultur nachhaltigen Wirtschaftens aus.

Besonders in den USA gibt es bereits eine Vielzahl von Geschäftsmodellen mit ökologischem Fokus. Ein Beispiel ist Green Concierge Travel, eine Art grüner Reise-Coach. Für jegliche Art von Reisen findet man hier Angebote und Tipps für ökologisches Reisen. ,Ecotravel‘ und ,Ecotourism‘ heißt die Devise. Im Vordergrund hierbei steht nicht nur das Reisen selbst, sondern auch die Möglichkeit am jeweiligen Zielort wie Zuhause Unternehmen zu unterstützen, die einen ökologischen Lebensstil unterstützen – vom umweltfreundlichen Reinigungs-Service ohne giftige Chemikalien, bis zum Restaurant, das ausschließlich auf lokale Erzeuger zurück greift. Aber auch hierzulande stehen die Zeichen gut, solche Dienstleistungen auch in Deutschland weiter zu etablieren. Nicht zuletzt ist Deutschland eines der „grünsten“ Länder. Im Pendant zu Green Concierge Travel steht mit einer ähnlichen Geschäftsidee das Unternehmen Colibri Umweltreisen. Dies kompensiert die Klimabilanz von Flugreisen durch Baumpflanzungen: bei einem Flug innerhalb Europas werden 50 Bäume pro Person gespendet, bei einem Langstreckenflug 100 Bäume pro Person.

Viel unternehmerische Energie in Deutschland zielt darauf ab ökologische Grundsätze mit ökonomischen Zielsetzungen zu verbinden. Ich habe mich viel mit diesem Thema beschäftigt, aber mich würde interessieren, welche Unternehmen Ihr vielleicht noch kennt, die solch einen Ansatz in ihrem Geschäftsmodell verfolgen.

Ich würde mich freuen Kommentare von Euch zu diesem Thema zu bekommen und bin sehr gespannt auf Eure Meinung und die Firmen, die Ihr noch kennt.

Zeigt mir die ökolonomische Innovationskraft Deutschlands!

Nur Barfuß ist natürlicher – Schuhe recyceln sich selbst

„Man soll immer auf die Schuhe achten, die man trägt, weil es fast alles über einen verrät.“ Gemeint hat die Hamburger HipHop-Gruppe Doppelkopf auf ihrer 1999 erschienenden Debüt-Platte „Von Abseits“ sicherlich etwas anderes. Dennoch hat der Kern auch 10 Jahre später noch Bestand. Sagt doch die Wahl des Schuhwerks sehr viel über Attitüden, Wesen und Charakter der Menschen aus. Schuhe spiegeln jedoch auch stets den jeweiligen Zeitgeist wider, dem sie in manchen Fällen gar einen eigenen Stempel aufdrücken können: berühmte Beispiele sind die Modelle Nike Air Max, Adidas Superstars oder Chucks, die alle zu ihrer Zeit das Lebensgefühl einer Generation ausdrückten. Letztere werden beizeiten mit Schmunzeln über vergangene Leggins- Fehltritte für diverse Kostüme an Karneval rausgeholt, feiern gleichzeitig aber alle 10 Jahre ein Revival und prägen das Straßenbild der Metropolen. So etwa Anfang der 70er Jahre, als Mick Jagger in Chuck Taylor All Stars heiratete oder Anfang der 90er, als die Anhänger des Grunge und Punks die Treter in allen möglichen Variationen zur Schau stellten. Ausgangspunkt des jüngsten Chuck-Auflebens stellten laut Mode-Kennern im Sommer 2007 die Auftritte der Vogue-Chefredakteurin Carine Roitfeld bei Modeschauen in Mailand dar, bei denen sie in goldenen Chucks die Aufmerksamkeit auf sich zog.

Schuhe stehen folglich für etwas, was Menschen in irgendeiner Form beschäftigt, mindestens jedoch etwas angeht. Mit diesem Gedanken haben sich Hersteller von Schuhen nun an das Thema „umweltverträgliche Schuhe“ gewagt. Das Thema passt ins Zeitgeschehen, in dem kein Tag vergeht, ohne das von Klima, regenerativen Energieformen oder Ressourcenknappheit öffentlich debattiert wird. Die ersten Schuhmarken wie etwa El Naturalista oder Vagabond haben ihre Produktionskette bereits komplett auf widerverwertbares Material umgestellt. Die verwendeten Materialien werden vom Schnürriemen bis zum Karton regenerativ hergestellt. Hierbei werden Energien und Ressourcen etwa durch Reduzierung von Abfallmengen und Rückgewinnung von Lösungsmitteln eingespart. Weitere Hauptbestandteile sind reines Kork, natürliche Färbemittel und Naturgummi. Bei der Innensohle wird neben chromfreiem Velours auch Kokosnuss verarbeitet. Die Schnürbänder bestehen aus reiner Baumwolle und das El Naturalista-Etikett wurde manuell in die Sohle eingenäht. Viele Schuhproduzenten werden dem Beispiel folgen – mit entsprechend positiven Auswirkungen für die Natur. Nur Barfußgehen wir künftig noch natürlicher sein.

Der Abrieb kommt bestimmt – nur lässt er sich hinauszögern! Ökologische Ansätze der Reifen-Industrie

Für Autotüftler ähnelt das Prozedere im Allgemeinen dem Schuhkauf bei Frauen – die Anschaffung von Reifen für ihr mobiles Gefährt unterliegt auf fast rührende Art und Weise dem Primat des Glanzes und der Schönheit. Je breiter und robuster der Reifen und je glänzender die Felgen, so scheint es, desto mehr „Hingucker“ wird der Autonerd auf den Straßen auf sich lenken können. Was wäre nur, wenn Reifen nicht mehr nur nach Breite und Bombast ausgewählt würden, sondern nach dem Credo der Umweltverträglichkeit? Würden führende Reifenanbieter wie Euromaster, Stop+Go, Point S, Vergölst oder Reiff mit diesem Attribut buchstäblich gut fahren?

Bereits seit langem ist erwiesen, dass die Reifenwahl erheblichen Einfluss auf Umweltfaktoren ausübt. So bemisst sich der Benzinverbrauch unmittelbar nach der Beschaffenheit der Pneus. Schon mit dem Physik-Verständnis einer 8. Schulklasse lässt sich verstehen, dass größere und breitere Reifen mehr Fahrbahnkontakt besitzen und damit mehr Reibung erzeugen, als klein-kalibrige Rundungen. Mehr Reibung bedeutet: proportional mehr benötigte Kraft und widerum mehr Kraftstoff, der verbraucht wird, um der Deutschen liebstes Gefährt durch den Verkehr zu lenken. Zudem erhöhen breite Reifen die Querschnittsfläche eines Autos, wodurch der Luftwiderstand steigt. Die Quintessenz: ein geringerer Rollwiderstand auf der Straße vermindert den Spritverbrauch. Den größten Einfluss darauf hat die Fahrweise.


Klimaschonung sieht anders aus: Extrembeispiel Monster-Trucks

Klimaschonung sieht anders aus: Extrembeispiel Monster-Trucks

Doch nicht nur der mittelbare Energieverbrauch durch bestimmte Bereifung und Fahrattitüde spielen eine Rolle, sondern auch der unmittelbare Abrieb ist ein ökologisches Thema, über das es sich nachzudenken lohnt. Herkömmliche günstigere Reifen enthalten einen erhöhten Gehalt an krebserzeugenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (kurz: PAK) auf. Rund fünf Prozent des Luft-PAK-Gehalts in Städten sind auf Reifenabrieb zurückzuführen. Seit etwa einem Jahrzehnt beschäftigen sich Chemiker mit der bestmöglichen Zusammensetzung von Reifen. Das Ergebnis: Nanopartikeln vermindern Abrieb und  steigern damit Haltbarkeit und Umweltverträglichkeit deutlich. Aber auch alternative Zusammensetzungen von Reifen, etwa durch Verwendung nicht-aromatischer Öle, lassen die Umweltverträglichkeit von Bereifungen deutlich steigen. Der finnische Hersteller Nokian Tyres war Pionier als es darum ging, die Nutzung krebserregender Öle nicht nur im Laufflächengummi, sondern im ganzen Reifen auf null zu reduzieren.

Doch die Marktdurchdringung solcher Reifen ist bis dato noch nicht in Sicht. Daher gilt weiterhin die Maxime: Pneus, seien es Winter- oder Sommerreifen, sollten bei Anschaffung das dritte Gebrauchsjahr nicht überschritten haben. Damit Verbraucher beim Kauf nicht getäuscht werden, versieht man Reifen mit einer vierstelligen sogenannten DOT-Nummer. “0100″ bedeutet beispielsweise, dass der Reifen in der 1. Woche des Jahres 2000 produziert wurde. Winter- und Ganzjahresreifen haben die zusätzliche Bezeichnung “M+S”.

Green Tire Technology

Green Tire Technology

Das Thema Umweltverträglichkeit bei Reifen geht aktuell auch in politsichen Sphären um und beschäftigt zum Beispiel die Europäische Union. Die Beamten in Brüssel prüfen gerade die Einführung von Energieeffizienzklassen für Bereifungen wie man sie bereits von Elektrogeräten kennt. So sollen detaillierte Angaben zu den Parametern Treibstoffeffizienz, Umweltbelastung, Nässehaftung und Messwert für Abrollgeräusche Verbrauchern auf dem Weg hin zu bewussten Kaufentscheidungen unterstützen. 2012 soll eine entsprechende Richtlinie in Brüssel verabschiedet werden. Zusätzlich soll ein Verbrauchsrechner die Möglichkeit bieten, für jeden Reifen den entsprechenden langfristigen Treibstoffverbrauch zu errechnen. Das Gesamtpaket soll am Ende für eine Reduktion von Abgasen führen, die einem Rückgang des Straßenverkehrs um etwa 1,3 Millionen Fahrzeugen entspricht.

In den kommenden Wochen werden viele Deutsche die Bereifung ihrer Fahrzeuge wieder auf entsprechendes Winterwetter umstellen. Sie sollten dabei bedenken, dass verschleißarme Reifen dabei als weniger belastend für Böden, Luft und Gewässer gelten. Doch auch Geräusche, die von Reifen ausgehen, können die Umwelt belasten. Sie reichen bei einer Geschwindigkeit von 80km/h auf genormtem Asphalt von 69,9 bis 73,2 Dezibel – wobei eine Erhöhung von drei Dezibel einer Verdopplung der Lautstärke bedeutet. Zudem profitieren Autobesitzer finanziell und ökologisch von einer Langlebigkeit ihrer Reifen. Ökologische Belange sollten auch bei der Pneus-Wahl zum zentralen Entscheidungskriterium gehören – damit das Weltklima nicht bald in der letzten Reifen-Rille fährt.

A, A+ und A++ – nicht nur im Bankwesen eine sichere Investition

Die Anschaffung eines Kühlschranks kann zuweilen anstrengend sein. Nicht zuletzt die Auswahl nach einem geeigneten Kühlgerät wird beim ein oder anderen Verbraucher den subtilen Sinn nach einer Rückkehr zur Planwirtschaft stellen. Laut einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Energie-Agentur GmbH achten Verbraucher beim Kauf eines Haushaltsgerätes verstärkt auf den Energieverbrauch: für 95 Prozent der Befragten ist die Energieeffizienz bei der Anschaffung eines neuen Kühlschranks ein „sehr wichtiges“, mindestens jedoch ein „eher wichtiges“ Kaufkriterium. Auch bei der Internationalen Funkausstellung 2009 in Berlin war das Thema, gerade bei den sogenannten Weißwaren, allgegenwärtig.

Von A++ bis G: Energieeffizienz-Label

Von A++ bis G: Energieeffizienz-Label

Eine verstärkte Aufmerksamkeit in Punkto Energieverbrauch lohnt sich am Ende einer Energieabrechnungsperiode in jedem Fall – für den Verbraucher, letztlich aber auch für die Umwelt und die Idee einer nachhaltigen Gesellschaft. Ein Neugerät zu beschaffen, das unterhalb der Energieklasse „A“ liegt, wäre heutzutage damit zu vergleichen, ein Automobil ohne Katalysator zu erwerben. Beide Anschaffungen wären zwar in der Anschaffung günstig, in der langen Frist jedoch gesellschaftlich wie monetär ein Fiasko.

Derzeit stehen in deutschen Haushalten rund 54 Millionen stromfressende Geräte, die nicht über die höchsten Effizienzklassen A, A+ oder A++ verfügen – derzeit für die öffentliche Meinung und die Haushaltsgerätehersteller Grund genug, nach der „Umweltprämie“ für Autos, eine selbige für Haushaltsgeräte zu fordern. Nach Angaben eines Vorstandsmitglieds des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie ZVEI im Vorfeld der IFA, sind Verhandlungen mit dem Bundesumwelt- und -wirtschaftsministerium in vollem Gange. Vorreiter sind hier Italien und Japan, die bereits mit Verschrottungsprämien Tausch-Anreize für Altgeräte-Besitzer setzten. Auch die österreichische Regierung hat jüngst ein Budget von 2,5 Millionen Euro bereitgestellt, um Verbrauchern für den Erwerb eines Haushaltsgerätes mit der Energieplakette „A++“ bei gleichzeitiger Rückgabe ihres alten Gerätes bis zu 100 Euro zu vergüten – gar rückwirkend zum 1. September 2009.

Kühlschrank-Friedhof: Abwrackprämie für Kühlschränke?

Kühlschrank-Friedhof: Abwrackprämie für Kühlschränke?

Kühl- und Gefrierschränke machen in der Regel bis zu einem Fünftel des Energieverbrauchs eines normalen Haushalts aus – und fungieren somit als Spitzen-Stromfresser. Der Kauf energieeffizienter Geräte kann diesen Anteil drastisch vermindern. Natürlich sind diese auf Grund evolutionierter Technologie zunächst einmal teurer in der Anschaffung. Jedoch amortisieren die Einsparungen auf der Energieabrechnung die Mehrkosten bei der Anschaffung nachweislich und zeitnah. Vielleicht würde eine plakativere Darstellung der tatsächlichen Ersparnis an Hand von konkreten Zahlen auf dem entsprechenden Label für eine höhere Sensibilisierung der Verbraucher für das Thema „Energieeffizienz“ sorgen. Ein Hauptkriterium beim beschaffenden Besuch des mal mehr, oft weniger nahegelegenen Media Markts, Saturns oder Expert Fachmarkts sollte in jedem Fall der Energieverbrauch des jeweiligen Gerätes sein. Denn Ratings von A bis A++ sind nicht nur im Bankwesen eine sichere Investition.